Nach dem Ausflug in die Welt des Strickens gibt es heute Teil zwei des Schreibexperiments.
Kurz zur Erinnerung. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:
Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?
Ich folge ihnen auf Schritt und Tritt, bin immer ganz dicht an ihnen dran, schaue ihnen über die Schulter, denn das ist mein Job. Es ist kein einfacher Beruf, aber ich will es nicht anders haben. Sie wissen nicht, dass ich existiere. Das dürfen sie auch gar nicht. Dies ist die einzige Regel in unserer Beziehung. Ich bin für sie unsichtbar, bin immer verborgen, aber dennoch ständig in ihrer Nähe.
Ich vermisse keine einzige Sekunde ihres Tages, sitze des Nachts an ihren Betten, wache über ihren Träumne, inspiziere am Morgen ihre Garderobe, die allmorgendliche Routine im Badezimmer, sitze mit ihnen am Frühstückstisch, begleite sie zur Arbeit, wo ich mit ihnen geduldig auf den Feierabend warte um ihnen daraufhin nach Hause zu folgen, zu Abend zu essen und die verbleibenden Stunden des Tages gemeinsam zu verbringen. Dann wache ich wieder an ihren Betten.
Ich bin da wenn sie lieben, streiten oder gar hassen, lachen oder weinen, denn ich bin der Grund für ihre Gefühlsausbrüche. Aber gemäß der einzigen Regel, die unsere Beziehung konstituiert, sind sie sich dessen nicht bewusst. Dennoch fühle ich, was sie fühlen und oft nehme ich ihre Emotionen stärker war, als sie selbst. Jede von ihnen verflossene Träne ist ein Stich ins Herz.
Leider kann ich nicht so viel Zeit mit ihnen Verbringen, wie ich es mir manchmal wünschte. Wenn ich anderen Verpflichtung nachgehen muss, oder einfach nur mal eine Pause von meiner Arbeit benötige, da diese, obwohl sie mir viel Freude bereitet, bisweilen ermüdend sein kann, dann gefriert ihr Alltag. Hin und wieder verlasse ich dann meinen Aussichtspunkt, gehe in die Küche und stärke mich mit einer kleinen Mahlzeit oder einer Tasse Kaffee.
Danach kehre ich zurück zu meinem Posten. Ich lege die Finger auf die weißen Tasten vor mir auf dem Tisch, schließe kurz die Augen und beginne wieder zu sehen, zu hören, zu fühlen was sie wahrnehmen. Die Eisschicht, die sich in meiner Abwesenheit über meine Schützlinge gelegt hatte, zerbricht unter den Tastenschlägen, die nun die Bahnen ebnen, auf denen der Rest ihres Tages verlaufen wird.
Ich flüstere Anweisungen in ihre Ohren, aber sie nehmen weder meine Worte, noch das Klacken der Tastatur war. Dennoch befolgen sie diese ohne Widerspruch. Ich nehme sie an die Hand und lenke sie auf den Weg, den sie zu folgen haben, damit alles so verläuft, wie ich es zuvor bestimmt hatte. Sie können den sanften Druck meiner auf den Tasten ruhenden Finger nicht auf ihrer Hand spüren. Dennoch schlagen sie den Weg ein, den ich für sie vorgesehen habe.
Ich verbringe meine Zeit gerne mit ihnen und verspüre große Freude, wenn ich sie dabei beobachte, wie sie ihr Leben leben. Obwohl ich eigentlich jeden ihrer Schritte kenne, noch bevor sie ihn ausführen können, schaffen sie es dennoch, mich immer wieder zu überraschen.
Aber eines Tages wird mein Auftrag beendet sein. Meine Finger besiegeln das letzte Kapitel ihres Lebens und verlassen die Tastatur. Obwohl ich dann Stolz über das von ihnen Erreichte verspüre, bin ich dennoch traurig. Unsere gemeinsame Zeit ist beendet. Sie werden zwar auf ewig zwischen den Zeilen und den Buchdeckeln weiterleben, aber dazu brauchen sie mich nicht mehr. Meine Arbeit ist getan.












Hallo Mart,
tja, und jetzt bin ich mir sicher, selbst wenn ich nicht wüsste, dass du dich für’s Schreiben interessierst. Das hier ist die Geschichte, bei der dir das Schreiben Spaß gemacht hat.
Im Detail diesmal hier: (ich hoffe das Verlinken ist okay)
http://www.schreibwerkstatt.de/der-begleiter-t5749.html#35905
Kurz gesagt, die Worte flossen einfach nur so dahin und ich konnte richtig spüren, wie wohl sich dieses Wesen bei seiner Aufgabe fühlt. Auch wenn ich nicht selbst schreiben und Geschichten erfinden würde, in diesem Moment hätte ich es (durch dich) getan und mich gut dabei gefühlt.
Das macht gerade die Dinge aus, die wir mögen, wenn wir davon erzählen leuchten unsere Augen. Die Begeisterung reißt einfach mit
lg
Jacky
Hi Jacky,
vielen Dank für die lieben Worte (und Verklinken geht in Ordnung
). Spaß hat mir das Schreiben der Geschichte gemacht, aber ob mir die Andere vielleicht nicht doch mehr Freude bereitet hat, dazu werde ich mich bald in der Schreibwerkstatt äußern 
LG
Martin