Prominentenbücher – Das Goldene Kalb der Buchindustrie

Das Exposé ist eine ziemliche Herausforderung. Wie komprimiert man ein Buch – sein eigenes noch dazu – auf drei Seiten? Welche Passagen sind wichtig, welche müssen ausgelassen, vernachlässigt, verstoßen werden? Gleichzeitig muss für den Lektor geschrieben werden, der letztlich das Urteil über das Schicksal meines Manuskripts fällen wird. Wenn man dann noch die Wahrscheinlichkeit verlegt zu werden mit einbezieht, kommt man schon ins Zweifeln.

Zweifel verursacht auch ein Phänomen, welches seit einigen Jahren in der Buchbranche zu beobachten ist: der Trend zum Prominentenbuch. Hape Kerkeling spaziert und schreibt darüber, Charlotte Roach denkt sich neue Synonyme für diverse Körperöffnungen aus, Dieter Bohlen diktiert einem Ghostwriter unwichtige Details aus seinem Leben, während er auf der Sonnenbank brutzelt und die Leute kaufen die Bücher in rauen Mengen. Nun hat sich laut Süddeutschen auch Bushido – dessen Name ich zwar irgendwo, irgendwann mal gehört habe, seine Musik aber zum Glück noch nicht – in den Kreis der prominenten Schriftsteller gesellt.

Gut, die Menschen kaufen wieder Bücher, und lesen diese auch wahrscheinlich. Das ist auch sehr erfreulich. Allerdings hege ich die Befürchtung, dass Prominente bekannt aus Funk- und Fernsehen uns unbekannten Hobbyschriftstellern die wenigen, hart umkämpften Verlagsverträge streitig machen werden.

Der Grund ist ein ganz einfacher. Prominentenbücher sind recht einfach zu produzieren und verkaufen sich schneller, als ein Banker heutzutage „bankrott“ sagen kann. Das liegt laut Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, an Folgendem:

Nur wer gerade prominent in den Medien vertreten ist, macht Werbung für sein Buch, und zwar in einem Ausmaß, den ein Verlag gar nicht bezahlen kann.

Wer sollte es den Verlagen also verübeln, wenn sie Prominenten gegenüber unbekannten Schriftstellern den Vorzug geben. Ich hoffe aber stark, dass der Trend nicht zur Norm wird.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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3 Responses to “Prominentenbücher – Das Goldene Kalb der Buchindustrie”


  • Du hast nichts verpasst, wenn du Bushido nicht kennst.
    Aber demnächst wirst du wahrscheinlich (leider) mehr von ihm hören, denn sein Buch soll verfilmt werden! Dabei dreht er derzeitig vollkommen am Rad: hat seine Tournee abgesagt
    “Ich entschuldige mich vorab bei meinen Fans, die sich schon so lange darauf gefreut haben, mich endlich wieder live in ihrer Stadt zu sehen, aber besondere Umstände erfordern eben manchmal besondere Maßnahmen”
    und ist etwas gräßenwahnsinnig geworden
    “Ich schreibe nicht nur am Drehbuch mit, sondern übernehme auch die Hauptrolle. Wir reden hier nicht von einem kleinen Filmchen, sondern über ein Multi-Millionen-Euro-Projekt!”.
    Ja dann…

  • Na ja, ich will von Bushido weder etwas hören noch lesen. Aber ich bin halt nicht die Masse.

  • So so. Wird ja auch Zeit, dass Musiker wieder anfangen Filme zu drehen. Seit Yellow Submarine und den 468 Elvis-Filmen hat das Kino ja auch sehr stark nachgelassen.

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