Monthly Archive for September, 2008

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Deutsche Folklore: Pop Goes the Weasel

Ich gebe zu, dass auch ich mitunter die deutsche Sprache  in dieser Ecke des Internets verhunze. Aber was in diesem Video, das ich heute auf Nerdcore gefunden habe, zu hören und sehen ist, ist mir bisher noch nicht untergekommen: eine Darbietung von Pop Goes the Weasel in der deutschen Originalversion


Im Sprachzentrum des F. D. Wallace

Mein Gedächtnis lässt mich mal wieder im Stich. Ich würde gerne auf einen Literaturblog verweisen, auf dem ich mich vor nur wenigen Tagen an einer Diskussion zum Tode David Foster Wallace beteiligt hatte. Leider kann ich mich nicht mehr an den Namen des Blogs erinnern.

Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, auf Buch Geburt über den Tod Wallaces zu schreiben und werde dies auch nicht tun. Ich wollte vielmehr auf besagte Diskussion zu sprechen kommen. In dieser ging es um die Übersetzung von Infinite Jest, Wallaces letzten Roman.

Der Autor ist bekannt für seine verschalteten und konfusen Satzgebilde, die für einen Übersetzer sicherlich ein Albtraum sind. Da ich vermute, dass Verlage in aller Welt nun auf heißen Kohlen sitzen und die Gunst der Stunde – die Veröffentlichung des letzten Werkes eines just verstorbenen Autors – nicht verstreichen lassen wollen, hatte ich die Befürchtung geäußert, dass der daraus resultierende Druck auf den Übersetzers eventuell die Qualität des deutschen Textes beeinflussen könnte.

In der SZ ist nun ein äußerst interessanter Artikel über Ullrich Blumenbach zu lesen, der mit der Übersetzung von Infinite Jest beauftragt wurde. Der Artikel unterstreicht, dass die Übersetzung dieses Buches wahrlich eine Herausforderung darstellt. Blumenbach sitzt schon seit fünf Jahren an diesem Projekt und müht sich täglich mit einer handvoll Sätzen ab, derer es in dem 1600 Seiten starken Werk reichlich gibt

Blumenbach sagt:
weil ich mich so lang bei jedem von ihnen aufhalte, bewege ich mich durch wallaces sätze wie durch räume, betrachte die verschiedenen wände, stoße hinter der nächsten ecke auf unerwartetes. nur haben diese räume etwas von der radikalen fremdheit eines david lynch.

Zum Artikel geht es hier.

Verfrühte Einleitung der Geburt

Kann man den Prozess der Geburt beschleunigen? Vielleicht sollte ich die Frage etwas anders Formulieren: Müssen die einzelnen Schritte der Buch Geburt zwingend in chronologischer Reihenfolge verlaufen?

Der Schriftsteller Benjamin Stein hatte mir nämlich verraten, dass er seinen ersten Verlagsvertrag bereits erhalten hatte, als das Manuskript lediglich 50 Seiten umfasste. Dies hat mich zu der Überlegung bewegt, mein eigenes Buch ebenfalls bereits vor der Fertigstellung an Verlage zu senden. Wenn man bedenkt, dass solch ein Manuskript in der Regel drei Monate auf dem Schreibtisch eines Lektors verbringt und ich, wenn alles nach Plan läuft, das Buch in diesem Zeitraum beendet haben sollte, ist dies im Grunde eine gute Idee. Eigentlich spricht alles dafür.

Leider wird das Ganze wohl ziemlich arbeitsreich werden. Neben Buchprojekt, Blog und Brötchenverdienen gesellt sich also eine weitere Aktivität hinzu, die die wenigen verblieben freien Stunden des Tages vereinnahmen wird. Aber ich freue mich sehr darauf. Der Schritt ist ohnehin notwendig, warum ihn also nicht etwas früher wagen.

Ich werde also in den kommenden Tagen die Geburt des Buches einleiten.

Ich würde mich über Tipps und Anregung freuen, falls jemand von Euch bereits Erfahrung mit dem Einsenden von Manuskripten haben sollte.

Schreibexperiment Teil 2

Nach dem Ausflug in die Welt des Strickens gibt es heute Teil zwei des Schreibexperiments.

Kurz zur Erinnerung. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:

Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?
Continue reading ‘Schreibexperiment Teil 2′

Die Strickwaren, die ich rief

Noch gestern schrieb ich in einer Kurzgeschichte über das Urban Knitting; die Verschönerung des Stadtbildes mit Strickwaren.

„Laternenpfahle erhalten bunte Schals, die Sitzschalen von Bushaltestellen werden mit dicken Wollkissen versehen und die harten Lehnen von Parkbänken erhalten weiche Polsterungen für die geschundenen Rücken ihrer Gäste.“

Und was entdecke ich heute auf dem Weg zur Arbeit:

Ist es nun die Realität, die mein Schreiben beeinflusst, oder bin ich es, der ihr als Vorbild dient?

Schreibexperiment Teil 1

Für jemanden der behauptet, er möge keine Schreibübungen, beschäftige ich mich derzeit recht viel mit diesem Thema. Diese Mal bin ich einer Aufforderung Jackies, die sich ein Schreibexperiment ausgedacht hat, spontan gefolgt. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:

Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema, das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?

Diese Fragestellung hat mich gereizt. Heute gibt es also den ersten Text. Ob dieser ein Thema beschreibt, das mich interessiert, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten: Continue reading ‘Schreibexperiment Teil 1′

Preis für die Vermessung Schwedens

Schweden kann sich freuen. Gleich zwei herausragende Persönlichkeiten aus dem Land der Dichter und Denker werden im September zu Besuch kommen. Zuerst wird ihm mein alter Freund Tobi – der wahrlich keiner weiteren Vorstellung bedarf – die Ehre erweisen. In wenigen Stunden wird er schwedischen Boden betreten.

Ende des Monats wird dann auch Daniel Kehlmann zu Gast in Schweden sein. Das „German Wunderkind“ – das natürlich nicht ganz den Bekanntheitsgrad meines Freundes besitzt – wird sich hier am 26. September den Per-Olov-Enquist-Preis abholen dürfen.

Der Preis wird seit 2005 an europaweit erfolgreiche Jungschriftsteller vergeben (Bis auf den Punkt „erfolgreich“ erfülle ich übrigens nahezu alle Kriterien). Per Olov Enquist höchstpersönlich wird den ihm gewidmeten Preis überreichen.

Kehlmann ist übrigens für den internationalen Bestseller „Die Vermessung der Welt” bekannt. Leider ist das Tobi nicht, aber immerhin haben er und Kehlmann am selben Tag Geburtstag.

Dank an Read it.

Buch – coming to a Kopfkino near you soon.

Bisher habe ich mich immer als weitgehend resistent gegen Online Ads erachtet. Bei der heutigen Lektüre eines Artikels über den rapiden Preisanstieg von in Formaldehyd eingelegten Stieren, Schafen und Haien, drängte sich jedoch ein giftgrünes Buchcover von der rechten Seite meines Browsers in mein Blickfeld. Bei genauerer Betrachtung erkannte ich, dass es sich tatsächlich um ein Buch, beziehungsweise um eine Werbung für ein solches handelte. Keine allzu gute, denn Titel und Name des Autors habe ich bereits wieder vergessen.

Dennoch hat mich diese Anzeige fasziniert, denn es handelte sich nicht um einen gewöhnlichen Banner, sonder um einen Trailer. Ein animiertes Filmchen, das die Handlung des Buches erläuterte.

Wie bereits erwähnt, versuche ich online Ads aus meinem online Leben auszublenden. Daher kann es sein, dass dies nichts Besonderes ist. Persönlich sind mir solche Bücher-Trailer jedoch noch nicht untergekommen. Außer jener von Scott Sigler, einem amerikanischen Autor, der seine Bücher bis vor kurzem ohne Verlag, sondern lediglich mit Hilfe des Internets vermarktetet hat.

Hinter dem giftgrünen Buch, dessen Trailer mich heute Morgen beim Lesen störte, steht aber ein etablierter Verlag: Rowohlt. Diese Feststellung hat ein paar Fragen aufgeworfen:

Ist es nun so, dass Schriftsteller ohne Verlage, Marketing und Vertrieb ihrer Bücher selbst in die Hand genommen haben, etablierte Verlage zum Umdenken bewegen?

Sind Trailer zu Büchern wirklich eine gute Idee?

Ist dies nur ein Phänomen des Fantasy-Genres?

Soll ich auf den Zug aufspringen und meinen eigenen Trailer machen? Brat Pitt könnte den Protagonisten mimen.

Hier geht’s zum giftgrünen Trailer.

Die Surrealisten und der Blog

Das brillante Upload Magazin hat diese Woche zur Themenwoche Frankreich – Blogging à la française erkoren. Dies hat mich dazu bewegt, einer gewagten Frage nachzugehen: Gibt es Einflüsse aus der französischen Literatur, die den Schreibstil des gemeinen Bloggers geprägt haben?

Frankreich mag nicht direkt als Land erscheinen, dem eine Vorreiterrolle in Sachen Internet zugesprochen werden sollte, aber ich glaube, dass es bei der Entwicklung der Blogkultur durchaus eine bedeutende Rolle gespielt hat. Und das ganze sogar vor rund 90 Jahren. Zu dieser Zeit formierte sich nämlich in Frankreichs Literaturszene eine Bewegung, die die Écriture automatique propagierte. Dieses Automatische Schreiben wird als Methode definiert, bei der

Bilder, Gefühle und Ausdrücke durch Introspektion in die Psyche unreflektiert wiedergegeben werden. Es dürfen sowohl Sätze, Satzstücke, Wortketten, als auch einzelne Wörter geschrieben und auch Fehler gemacht werden und es muss nicht auf die Regeln der Orthografie, Grammatik oder Interpunktion Rücksicht genommen werden.

Ich bin der Meinung, dass dies ziemlich präzise die Methode beschreibt, die von einer Vielzahl Blogger benutzt wird (IM, Twitter etc. sind wahrscheinlich sogar noch bessere Beispiele).

Man hat gerade etwas Lustiges erlebt, schmeißt den Computer an, tippelditipp, Emicon eingefügt und weg damit. Wenn meine These also stimmt, dann sind die Väter der Blogkultur eine Gruppe Absinthtrinkender Surrealisten.

Ich habe das Ganze mal mit Hilfe André Bretons Anweisungen aus dem „Ersten Surrealistischen Manifest“ durchexerziert:

Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen…

Laptop bitte!

…nachdem Sie es sich irgendwo bequem gemacht haben, wo Sie Ihren Geist soweit wie möglich auf sich selbst konzentrieren können.

Mh? Bett? Ja, probieren wir mal das Bett.

Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind.

Kein Problem!

Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen.

Bei meiner Genialität wird das aber ganz schön schwer. Aber ich versuchs mal.

Machen Sie sich klar, daß die Schriftstellerei einer der kläglichsten Wege ist, die zu allem und jedem führen.

I hear ya!

Schreiben Sie schnell, ohne vorgefaßtes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen.
….
Der erste Satz wird ganz von allein kommen…
……
Der erste Satz wird ganz von allein kommen…
……
DER ERSTE SATZ WIRD GANZ VON ALLEIN KOMMEN!!!

Ja ja, schon gut. Habe einen: „Der Pinguin schmiert Nutella auf sein Fahrrad.“

….denn es stimmt wirklich, daß in jedem Augenblick in unserem Bewußtsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden.

„Daß“ schreibt man heutzutage übrigens mit „ss“. „Bewusstsein“ auch.

Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben.

Kein Problem, wird gemacht.

Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens. Wenn ein Verstummen sich einzustellen droht, weil Sie auch nur den kleinsten Fehler gemacht haben: einen Fehler, könnte man sagen, der darin besteht, daß Sie es an Unaufmerksamkeit haben fehlen lassen – brechen Sie ohne Zögern bei einer zu einleuchtenden Zeile ab.

Ooookay…Raunen? Verstehe!

Setzen Sie hinter das Wort, das Ihnen suspekt erscheint, irgendeinen Buchstaben, den Buchstaben l zum Beispiel, immer den Buchstaben l, und stellen Sie die Willkür dadurch wieder her, daß Sie diesen Buchstaben zum Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes bestimmen.“

Dass Limonenscheibchen.

Fin!

Jetzt fühlen sich sicherlich einige hard-working Blogger vor den Kopf gestoßen, ob meiner Behauptung, dass sie planlos Texte verfassten. Dennoch finde ich, dass sich sicherlich ein jeder ein wenig mit der Écriture automatique identifizieren kann. Wenn nicht, auch nicht schlimm.

Jetzt schon basteln Sprach- und Kommunikationswissenschaftler an ersten Thesen über die Verwendung von Sprache im Web. Vielleicht sollten sie aber mal kurz einen Blick über die Schulter, Richtung 1920er in Frankreich werfen.

Gratis Medikament beim Kauf dreier Bücher

Diese Woche habe ich mich ausführlich darüber beklagt, dass ich durch eine Erkältung von meinem Buchprojekt abgehalten werde. Nun habe ich aber erfahren, dass ich dank meiner triefenden Nase doch noch zu einem Buch – wenn auch nicht meinem eigenen – gelangen kann. Schwedens Apotheken bieten nämlich, anlässlich der jüngst begonnen Grippesaison, einen literarischen Deal an: Wer vier beliebige Produkte ersteigert, die allesamt auf die Bekämpfung von Schnupfen, Husten oder andern grippetypischen Symptomen abzielen, erhält zusätzlich ein Buch umsonst.

Ob Bücher nun von den Apothekern Schwedens als für den Genesungsprozess förderlich beachtet werden, ist mir nicht bekannt. Aber ich finde, es ist eine nette Bildungsmaßnahme. Wenn man davon ausgeht, dass sich mindestens ¾ der Bevölkerung früher oder später eine Erkältung einfangen werden, könnte man hierzulande theoretisch sechs Millionen Menschen zum Lesen bringen.

Vielleicht sollte ich mir einen Partner aus der Pharma-Industrie suchen, um mein Buch, sollte es jemals erscheinen, an den Mann zu bringen.

Wer sich anhören möchte, wie es auf Schwedisch klingt erkältet zu sein, kann dies in diesem hübschen Werbefilmchen tun.