Derzeit bremst meine Arbeit, also jene, die meine Rechnung bezahlt, die Buch Geburt etwas aus. Die Arbeit, also jene, die dem Buch zur Geburt verhelfen soll und keine meiner Rechnungen bezahlt, muss also an den Wochenenden erledigt werden. Das Exposé ist fertig, die Leseprobe eigentlich auch so gut wie, obwohl ich immer wieder Dinge finde, die geändert werden sollte. Der nächste Schritt ist das Anschreiben, das den Lektor überzeugen soll das Exposé zu lesen, dessen Aufgabe es wiederum ist, die Leseprobe schmackhaft zu machen.
Der Kern des Anschreibens ist der Pitch: dieser soll in wenigen Sätzen beschreiben worum es in dem Buch geht und warum sich der Verlag dafür interessieren sollte.
Das Ganze ähnelt im Prinzip dem Klappentext, dessen Aufgabe es ist das Buch an den potentiellen Leser zu verkaufen.
Alex Rühle schreibt heute in der SZ über die Art und Weise, in der Verlage ihre Bücher anpreisen und wie sie sich dabei in einen Rausch der Adjektive und Superlative versetzen.
Die Taschenbuchausgabe von Eugene Sues “Geheimnisse von Paris” ist “einer der spannendsten und furiosesten Romane der europäischen Literatur”, “gehört zum Besten, was die europäische Literatur des 19. Jahrhunderts geschaffen hat”, “wurde geschrieben von einem der meistgelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts”
Soll ich meinen Pitch auch in Superlative hüllen? Z.B. „…das größte Talent seiner Generation.“, „…ein Buch, das die Literaturszene umkrempeln wird“, „..das Beste seit der Erfindung von Aspirin und der Einführung des iPhones.“
Auch wenn all diese Behauptungen zutreffen sollten, klingen sie doch leer und schwach. Aber was, wenn Verlage darauf stehen, solch Selbstbeweihräucherung sogar erwarten?
Vielleicht sollte ich die Blurb-Agentur anheuern, die Rühle in seinem Artikel erwähnt? Es handlet sich hierbei um Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, lobende Kommentare von berühmten Autoren zu beschaffen, die man sich dann in den Klappentext klatschen kann.
Ich habe auch schon einen guten Text im Sinn, den mir diese Agentur beschaffen könnte:
„Ich habe die Entstehung dieses literarischen Meisterwerkes mit Spannung auf www.buchgeburt.de verfolgt. Zum Glück habe ich meinen Nobelpreis vor der Veröffentlichung dieses Meilensteins der Literaturgeschichte bekommen. Ansonsten hätte mir dieser begnadete Jungautor den Preis streitig gemacht.“
Jean-Marie Gustave Le Clézio
Hab Dank JMG! Lass mich wissen, falls Du einen Blurb für Dein nächstes Buch benötigen solltest.












Hallo Mart,
erst heute hab ich diesen Post entdeckt. Also gibt es eine Antwort mit 7 Tagen Verspätung. Ich überlege auch schon seit gut zwei Wochen an einem Pitch für mein Onlinebuch (das Saulus-Theorem). Nicht einfach! Ich finde jedoch nicht, dass in einen Pitch eine “Selbstverherrlichung” gehört. Viel mehr eine Kurzdarstellung in 2 bis 3 Sätzen. So, als wenn man seiner Freundin erzählen würde, worum es geht. Den Werbetext schreibt später der Verlag.
Mal wieder ein Tipp von Eschbach:
http://ourworld.compuserve.com/homepages/AndreasEschbach/writers/writ379.htm
und noch mehr http://ourworld.compuserve.com/homepages/AndreasEschbach/writers/wkap15.htm
Als Selbstverherrlichung würde ich es auch nicht ansehen. Aber man sollte schon halbwegs kräftig auftragen, sonst geht man in der Masse unter.
Das Problem: wenn man selbst bei so etwas “Skrupel” hat und sich vornehm zurückhält, dann überholen einen alle anderen, deren Buch wesentlich schlechter ist, die aber frecher in der Ankündigung waren.