Die Entzugserscheinungen halten sich bisher in Grenzen. Dennoch bin ich froh, nach fast 48 Stunden endlich wieder Internet durch meine Adern fließen zu spüren (dank meiner Freunde, die mir gelegentlich Online-Asyl gewähren).
Derzeit befinde ich mich im Jörns Übergangs-Atelier, in das ich mich in den kommenden Tagen zum Schreiben zurückziehen werde, während Erstgenannter fürs Malen und das Catering zuständig ist
. So lässt es sich arbeiten!

Schreiben zwischen Gemälden
Der Endspurt vor den Weihnachtsferien war noch anstrengender als erwartet. Ich habe zwar noch ein wenig Arbeit im Gepäck, aber immerhin bin ich jetzt am Flughafen angekommen und steige gleich in den Ryanair-Seelenfänger.
Ich freue mich sehr auf zu Hause, Freunde, Familie, zu viel Essen und Zeit endlich wieder ungestört zu schreiben. Leider liegt zu Hause quasi in einer Art Internetfunkloch, daher werde ich nicht so häufig bloggen können, als mir lieb wäre.
Keines der Verlagsanschreiben wurde von der Schwedischen Post zurückgesandt. Ich gehe davon aus, dass sie mittlerweile an den Schreibtischen der Lektoren angekommen sind und dort über Weihnachten Staub fangen werden.
Übrigens bin ich jetzt auch via Twitter zu erreichen. Lange habe ich mich dagegen gesträubt, aber immerhin habe ich es noch vor Spiegel Online geschafft auf den Twitter-Zug zu springen. Es würde mich freuen, den ein oder anderen BuchGeburt-Leser dort begrüssen zu können (sie Fenster zur Rechten).
So, Check-in ist gleich angesagt. Bis die Tage.
Oh, ich habe leider keine Zeit gehabt, mich um die Spotify-Sache zu kümmern. Werde dies so schnell wie möglich nachholen.

An der Flughafenbar. Jup, keine Zeit zum Rasieren gehabt
Ich habe in meinem Leben schon tausende Seiten mit filigranen Satzkonstruktionen, schwerwiegenden Gedanken und altklugen Sprüchen gefüllt. Aber heute stoße ich an die Grenzen meiner schriftstellerischen Fähigkeiten. Ich sehe mich nämlich mit der Aufgabe konfrontiert ein Gedicht zu verfassen. An sich ist dies eine lösbare Aufgabe, wäre da nicht ein kleiner Haken: Das Gedicht muss auf Schwedisch verfasst werden. Eine Sprache zu sprechen ist das eine, in dieser zu reimen ein andere.
Das Gedicht wird im Rahmen der morgigen Firmen Weihnachtsfeier vorgetragen und soll der Person, die ein Geschenk von mir erhalten wird, Hinweise auf meine Identität geben.
Ich habe noch 22 Stunden Zeit, diese Aufgabe zu bewältigen und ich werde jede einzelne von ihnen benötigen.
Als Belohnung für meine Mühen gibt es dann morgen Julöl:
Jul = Weihnachten, Öl = Bier

Satte sieben Prozent!!!
Bei dem ganzen Vorweihnachtsstress kommt man ja zu nichts. Beinah hätte ich es sogar nicht geschafft zu bloggen. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Ich habe eine exklusive Spotify Einladung zu vergeben. Spotiwas werden sich nun einige Fragen. Spotify ist im Moment der Web-Geheimtipp aus Schweden. Eine kleine aber feine Software die Zugang zu nahezu allen Musikalben die man sich nur wünschen kann verschafft. Das Programm ähnelt vom Aussehen her iTunes, der Unterschied aber ist, dass die Musik gestreamt wird.
Spotify Invites werden hierzulande gehandelt wie Zigaretten in TV-Knästen und sind für jemanden wie mich, der es liebt zu Musik zu schreiben, ein wahrer Segen.

Leider habe ich nur eine einzige Einladung, die ich zwar gerne weiterreichen möchte, aber ich weiß noch nicht genau nach welchem Kriterium ich sie verteilen soll. Entweder das „Wer zu erst kommt …“-Prinzip oder eine Art Preisausschreiben. Ein alter Blogeintrag (nämlich dieser) hat mich da auf eine Idee gebracht:
Erfundene Wörter! Wer glaubt folgende Wortschöpfung übertreffen zu können, möge seinen Vorschlag in den Kommentaren hinterlassen und via Email an mich senden:
Das Stubel – ein Ersatz-Stuhlbein (hoffentlich fällt euch etwas besseres ein
)
Statt Weihnachtsgeschenke zu kaufen, habe ich mir ein paar neue Bücher besorgt. Deutsche Titel sind in Stockholm leider Mangelware. Deshalb sind es mal wieder ein paar englische Bücher geworden. Ich habe zwar keinerlei Probleme Bücher auf Englisch oder Schwedisch zu lesen, aber eine Stimme im Hinterkopf redet mir immer wieder ein schlechtes Gewissen ein: „Du sprichst den ganzen Tag kaum Deutsch und liest dann auch noch englische Bücher! Du verdirbst dir deinen Schreibstil.“
Ein kleiner Funken Wahrheit mag wohl in dieser Behauptung stecken. Aber ab nächste Woche bin ich wieder in Deutschland, wo ich mich wieder mit Büchern in Deutscher Sprache eindecken werde.
Ach ja, die Bücher, die ich mir besorgt habe sind:
The White Tiger – Aravind Adiga
The End of Mr. Y – Scarlett Thomas

Und das schwedische Wort des Tages lautet:
Språk [sprok] – Sprache
Vorige Woche hatte ich mich ein wenig über die Wortliste des Jahres 2008 ausgelassen und dabei denn Vorschlag gemacht, diese Top Ten als Basis für eine Schreibübung zu verwenden. Es hat mich wirklich wahnsinnig gefreut, dass sich meine beiden Schriftstellerkolleginnen Tina (von der Unsichtbaren Bibliothek) und Tiny die Mühe gemacht haben, eine Kurzgeschichte um diese 10 Begriffe herumzukonstruieren. Vielen Dank euch beiden.
Die Kurzgeschichten können hier nachgelesen werden.
Continue reading ‘Leserbeiträge: Kurzgeschichten des Jahres 2008′
Irgendetwas geht immer schief. Wie kürzlich berichtet, sind die letzten Anschreiben an die Verlage rausgegangen. Tja, und zufällig habe ich dann erfahren, dass ¾ der Kuverts falsch frankiert waren, was ausnahmsweise nicht mein Fehler war, aber dafür kann ich mir leider auch nichts kaufen. Bisher ist noch keines der Anschreiben zurückgekommen. Vielleicht habe ich ja Glück, und die schwedische Post hat im Moment genug zu tun, statt ihre Zeit damit zu verschwenden armen, deutschen Nachwuchsschriftstellern das Leben zu vermiesen.
Apropos Glück und Nachwuchsschriftsteller. Das Jetzt Magazin hat Benedict Wells (Becks letzter Sommer) interviewt und diesem Herrn hat das Glück bei der Verlagssuche unter die Arme gegriffen:
Ich habe meinen Agenten auf einer Halloween-Party in Berlin kennengelernt.
Nach Weihnachten sollte ich mich auch mal um einen Agenten bemühen. Dank Wells weiß ich nun auch, dass ich es schaffen werde und dass das Buch tatsächlich eines Tages verlegt werden wird – selbst eine Armee schwedischer Briefträger könnte mich jetzt nicht mehr stoppen – denn:
Doch wenn ich es schaffe – und das meine ich jetzt nicht als Klischee -, dann kann es wirklich jeder schaffen.
Danke Benedict!
Selbst habe ich seinen Debütroman noch nicht gelesen, aber Alex hat eine Rezension geschrieben und bei La Divina kann man erfahren, ob es sich lohnt einer Wells-Lesung beizuwohnen.
Das schwedische Wort des Tages:
brevbärare – Briefträger

Hunde stehen mit ihnen auch auf Kriegsfuss
Ich habe mal wieder das schwedische Wort des Tages vergessen.
ord – Wort
und passend zum vorherigem Eintrag
sökord – Suchbegriff
Diese Woche haben alle größeren Tageszeitungen ausführlich über die Suchbegriffe 2008 berichtet. Dies habe ich mal zum Anlass genommen, einen Blick auf jene Suchbegriffe zu werfen, die den ein oder anderen Leser auf meine bescheidene Seite gebracht haben.

Zugegeben, nicht allzu spektakulär. Die Top 10 erfassen auch nicht ganz die Fülle der Variationen der Wörter Buch und Geburt (z.B. Buch zur Geburt, Buch über die Geburt, Einleitung der Geburt etc. etc.). Der Begriff Geburt ist also ein ganz heißer Tipp für die Search Engine Optimization.
Und nun zu der nächsten Wort-Liste des Jahres 2008.
Die Wörter des Jahres:
1. Finanzkrise
2. verzockt
3. Datenklau
4. hessische Verhältnisse
5. Umweltzone
6. multipolare Welt
7. Nacktscanner
8. Rettungsschirm
9. Bildungsfrühling
10. Yes we can
Finanzkrise, Datenklau…das lasse ich mir ja alles noch gefallen. Aber Yes we can? Wer denkt sich denn so einen Quatsch aus? So oft ich mir die Nummer Zehn der Liste auch anschaue…für mich ist das genauso wenig ein Wort oder Begriff wie Verdammt, jetzt habe ich schon wieder vergessen Eier zu kaufen.
Aber hat vielleicht jemand Lust auf eine kleine schriftstellerische Fingerübung? Aus den Begriffen dieser Liste lässt sich doch mit Sicherheit ein lustiger Satz oder eine klitzekleine Kurzgeschichte konstruieren!
Als ich gestern beim Zappen bei der Übertragung des Nobel-Banketts hängen blieb, kam ich nicht umhin Mitleid für die Preisträger zu empfinden. Dort sitzt man nun mehrere Stunden zwischen König und Königin, Prinzessinnen, Prinzen und hochrangigen Politkern und muss Smalltalk betreiben. Gleichzeit liegen vor einem ein halbes Dutzend Messer, Gabeln und Löffel und es bedarf größter Konzentration auch ja das richtige Besteck zu den jeweiligen zehn Gängen zu finden.
Dann ruhen auch noch die Linsen von sicher 20 verschiedenen Kameras sowie die Augen von mehreren Millionen Fernsehzuschauern weltweit auf einem. Gähnen, Nasebohren und andere Macken gilt es also tunlichst zu vermeiden.
Und wie sieht es mit dem Nachgehen natürlicher Bedürfnisse aus? Darf man sich als Preisträger vom Tisch verabschieden, um auf die Toilette zu gehen?
Ich glaube, dass eine Mischung aus Nervosität und Langeweile mich dazu bringen würde, an mein Weinglas krampfhaft festzuhalten und zu viel zu trinken, was wiederum zu einem verstärkten Harndrang führen würde. Dies würde mich dann dazu bewegen, mich so unauffällig wie möglich zum nächstgelegenen WC zu schleichen, wahrscheinlich just zu dem Zeitpunkt an dem ich meine Rede zu halten habe. Eilig würde ich dann das WC verlassen, um Richtung Rednerpult zu rennen. Dabei würde ich mit Sicherheit die Königin anrempeln, woraufhin deren Krone in der Hummersuppe landet. Am Rednerpult angekommen müsste ich dann feststellen, dass a) mein Reißverschluss noch offen ist und ich b) viel zu betrunken bin um meine Rede ohne Lallen halten zu können.
Sollte ich innerhalb der nächsten 40 Jahre also nicht den Nobelpreis für Literatur erhalten, liegt dies mit Sicherheit daran, dass ein Mitglied der Nobelkommission diesen Blogeintrag gelesen hat.
Ach…und wie erwartet habe ich das Wort des Tages ein wenig vernachlässigt.
Middag – Abendessen (das Nobel-Bankett nennt sich im Schwedischen Nobelmiddag)