Posthumer Ruhm ist etwas Sonderbares. Ein Leben lang strebt ein Künstler nach Annerkennung, schreibt stur an seinem Schreibtisch gegen die Verzweiflung an, stirbt und wird nach seinem Tod als literarische Sensation gefeiert. Klingt alles sehr romantisch, aber letztendlich ist Posthumer Erfolg doch eigentlich (für den Schriftsteller) wertlos.
Mein posthumes Lieblingsbeispiel ist Kafka, der so erfolglos war, dass er so stark an seinen schriftstellerischen Fähigkeiten zweifelte, dass er sich für seinen literarischen Nachlas schämte und seinen Kumpel Max Brod bat seine gesamten Manuskripte zu verbrennen. Kafka stirbt, Brod lässt die Streichhölzer aber stecken und plötzlich ist Franz einer der bedeuteten Figuren der Literaturgeschichte. Leider hatte er davon nichts.
Stieg Larsson hatte ebenso wenig von seinem späten Ruhm. Larsson ist der eigentlich Grund für meine Ausführungen über posthumen Ruhm.
Als ich vor kurzem an einer Stockholmer Buchhandlung vorbeiging, fiel mir auf wie die Stieg Larsson Büchertürme in den Buchläden schon wieder um einige Stockwerke ausgebaut wurden. Nach meiner Rechnung müsste doch eigentlich bereits jeder Einwohner Schwedens mindestens drei Stieg Larsson Bücher im Ikea-Regal stehen haben.
Larsson starb 2004 an den Folgen eines Herzinfarkts. Nach seinem Tod wurden drei von ihm verfasste Kriminalromane veröffentlicht, die seitdem aus den schwedischen Verkaufslisten nicht mehr wegzudenken sind. Seit rund zwei Jahren erfreuen sich seine Bücher auch in Deutschland großer Beliebtheit. Larssons Bücher lassen also kräftig die Kassen klingen, nur hat der arme Kerl nichts davon. Seine langjährige Lebensgefährtin übrigens auch nichts, da sie keinerlei Erbschaftsansprüche besitzt. Es ist schon ein Kreuz mit dem posthumen Ruhm.
Ich selbst habe übrigens keinen seiner Romane gelesen. Wer mehr über diese erfahren möchte, kann sich die Rezensionen auf den folgenden Blogs anschauen:












Ein Kafka-Themenschwerpunkt gibt es übrigens im Blog “Schöner Denken”. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, von Stieg Larsson noch nichts gelesen/gehört zu haben, obwohl ich eigentlich ein großer Krimifan bin. Aber man lernt immer wieder gerne dazu!
Vielen Dank für den Tipp Tina. Für einen Kafka-Themenschwerpunkt bin ich immer zu haben
Soweit ich weiß, ist aber nur der 3. seiner Romane posthum veröffentlicht worden – oder?
Leider nicht. Das erste Buch kam ca. ein Jahr nach seinem Tod raus. Zuvor hatte er aber ein paar Fachbücher zum Thema Rechtsextremismus veröffentlich.
Ob diese aber besonders spannend sind, wage ich zu bezweifeln
Achso, dann war ich falsch informiert.
Ich fand übrigens Verblendung auch nicht spannend, da sind die Fachbücher sicherlich besser
@ Mart “Zuvor hatte er aber ein paar Fachbücher zum Thema Rechtsextremismus veröffentlich.”
Larsson war einer der weltweit führenden Experten Experten für anti-demokratische, rechtsextreme und neonazistische Bewegungen.
Die Krimis schrieb er nur zum Zeitvertreib und zur Entspannung.
Seine Arbeit spiegelt sich ja auch in seinen Büchern wider.
Und ich würde gerne seine Abhandlungen zum Thema Rechtsextremismus lesen, ist das doch doch ein großes und trauriges Thema in unserer heutigen Gesellschaft.
Und er kritisiert in seinem Buch ja auch die Boulevard-Presse, so eine reißerische Zeitung, die fast alle lesen (aber keiner tut es, wenn man fragt). Diese Art von Presse, die Hetzjagd macht auf Menschen, das ist doch auch schon alltäglich.
Der Rassismus, den Larsson in seinem Leben auch verachtete, kommt auch in seinen Büchern vor, genauso klar, wie er auch in Deutschland praktiziert wird. Schaut euch doch nur an, wie gegen die Türken gehetzt wird, genau DAS hat Stieg Larsson verachtet und dafür schätze ich ihn sehr.
Er hat übrigens zeitlebens Morddrohungen von Nazis bekommen, deshalb hat er seine Lebensgefährtin nie geheiratet, das war zu ihrem Schutz, obwohl sie fast 30 Jahre ihres Lebens gemeinsam verbracht haben.