Vergangene Woche kam ich in den Genuss eines Workshops zum Thema Zeitmanagement, in dem demonstriert wurde, wie man seinen Arbeitstag effektiv gestalten kann. Die einzige Erkenntnis, die ich aus diesem Seminar habe gewinnen können war, dass ich einfach zu wenig Zeit habe: weder auf der Arbeit noch in meinem Schattendasein als Schriftsteller.
Besonders letzteres schmerzt. Im Moment komme ich einfach zu spät von der Arbeit nach Hause, um abends noch effektiv schreiben zu können. Bleiben also nur noch die Wochenenden. An diesen nehme ich mir oft zu viel vor und die Enttäuschung ist groß, wenn ich nicht genügend zu Papier bringe. Aber an guten Tagen, wie dem gestrigen, kann ich es tatsächlich schaffen ein ganzes Kapitel zu schreiben. Zu dem habe ich mit der Struktur der Kurzgeschichte begonnen. Alles in allem also ein gelungenes Wochenende.
Dennoch stelle ich mir manchmal die Frage, wie es wäre, wenn ich meine ganze Energie auf das Schreiben richten könnte, ganz ungestört von einem festen Job. Würde ich langsamer und bedachter schreiben? Könnte ich gar die Lust am Schreiben verlieren, weil es plötzlich mein Beruf und nicht mehr mein Hobby ist? Ich kann es kaum erwarten, irgendwann die Antworten auf diese Fragen zu bekommen.












Ich kann es auch kaum erwarten
(Ich glaube btw nicht, dass der Titel wahr ist).
langsamer, ja. manchmal. aber es ist meiner bescheidenen meinung nach schlicht und ergreifend anstrengender. es zehrt mehr. selbst wenn man ganz und gar darin aufgeht, “nur” zu schreiben, wird der kampf dadurch nicht weniger.
lg, jules
Tilmann – wahr ist er mit Sicherheit nicht, aber was besseres ist mir heute morgen nicht eingefallen
Jules – So stelle ich mir den Schriftsteller-Alltag in etwa auch vor. Ich freue mich dennoch drauf
Dafür war der Schluß ja groß und macht Lust auf mehr
Ich bin so eine halb Studentin und lebe eine “Jobben-wenn-es-mir-Spaß-macht”-Leben. Naja, so ganz ist es nicht; manchmal ist es schon hart sich selbst ernähren zu können, aber ich habe oft Tage komplett frei. (bzw. nehme sie mir frei, wenn nicht gerade Semesterferien sind)
Und ich glaube die Überschrift müsste eher heißen: “Wer Zeit hat, BRAUCHT ein Management.”
Wenn Du arbeitest und im allgemeinen viel zu tun hast, geht alles seinen strukturierten Gang und Deine kurzen Auszeiten, sind Deine Schreibzeiten.
Wenn der ganze Tag zur Verfügung steht und nur darauf wartet von Dir geformt zu werden, dann geht es ganz schnell drunter und drüber.
Ich hab so Tage, an denen ich mir vornehme ein Kapitel zu schreiben. Ich fange morgens an, bringe nichts aufs Papier. Also gehe ins Café, um mich inspirieren zu lassen. Das klappt zwar, aber leider kann ich die Richtung der Kreativität nicht lenken; oft kommen mir da ganz andere Ideen für ein neues Projekt oder ich denke an Menschen, die ich ewig nicht mehr gesehen habe – oder an sozialpsychologische Zusammenhänge, während ich andere beobachte.
Wenn ich weiß, dass mein Kopf zu voll ist, dann fahr ich garnicht erst nach Hause. Denn bringe ich nichts aufs Papier, wartet nur unangenehme Hausarbeit auf mich, die mich böse anschaut.
Also in die Stadt, in den nächsten Buchladen, runter zum Strand, vllt. irgendeinen Kumpel treffen – wenn’s krass ist, dann werden die Abenden auch mit Bier, Rotwein und doofen TV-Programmen verbracht. (und es ist oft krass)
Nur schaffen tu ich nichts, weder in der Wohnung, noch im Blog oder beim Romanschreiben.
Habe ich wiederum nur eine Stunde voller Ruhe, dann kann ich bestimmte Passagen nur so runterrattern. Ich brauche wohl einfach dieses leichte Druckgefühl, dass ich nicht ewig Zeit habe. (wie in der Schule mit den Hausarbeiten)
Außerdem ist mir noch aufgefallen, dass ich zwar sehr gern einsam lebe, es in meinem Fall beim Schreiben aber kontraproduktiv ist. Ich brauche Lärm, Trubel und viel Arbeit, um eine ruhige Stunde wertschätzen und effektiv nutzen zu können.
Aber bei Jules ist es anders, also vermute ich, dass da jeder bestimmte Eigenheiten hat.
Trotzdem finde ich das Sprichtwort “Wer ständig jammert nie Zeit zu haben, hat am meisten.” passend.
Wow, vielen Dank für deine ausführliche Antwort, Lilly. Druck ist auch mein bester Helfer. Auch die Strategie Inspiration in Cafés zu finden ist mir nur zu gut bekannt. Allerdings befinde ich mich derzeit in einer Weißwein-Phase
Aber so viel habe ich doch hoffentlich (noch) nicht gejammert, dass man behaupten könne ich hätte zu viel Zeit?!
Nur ein allgemeiner Spruch, natürlich nicht auf Dich bezogen (so lange lese ich hier noch garnicht
), um zu sagen, dass ich es genau andersrum vermute: Leute mit wenig Zeit schaffen mehr- und zwar in allen Belangen.