Monthly Archive for July, 2009

Schreibtisch sucht Wohnung

Oh, oh! Mich hat es erwischt. Nein, weder die Schweinegrippe noch eine Dienstwagenaffäre, sondern akute Wohnungsnot. Die schöne Zeit auf Södermalm wird laut Mietvertrag ab Ende August ihren Schluss finden.Aus der neuen Wohnung, in die ich im September hätte einziehen sollen, wird jetzt aber plötzlich doch nichts. Die Vermieterin hat sich kurzfristig gegen mich entschieden und das stellt mich vor ein kleines Problem. Der Wohnungsmarkt in Stockholm ist ziemlich #%”@ und es wird nicht sonderlich einfach sein, etwas Neues zu finden. Speziell in Hinblick auf die Tatsache, dass ich in genau eine Woche in eine dreiwöchigen Heimaturlaub starten werde. Meine Sachen kann ich währenddessen bei einem Freund unterbringen, aber wo ich danach meinen Schreibtisch und mein Bettchen haben werde, steht noch in den Sternen. Ist ja auch egal. Im Moment freue ich mich einfach auf den Urlaub, und danach schauen wir mal weiter. Vielleicht kann ich mir ein paar Tipps bei Jules abschauen, die gerade in meinem ehemaligen Heimatort Düsseldorf ihren Umzug plant.

P.S. habe gestern an Wordpress rumgefummelt und irgendwie sieht der Blog jetzt ein wenig anders aus. Oder bilde ich mir das nur ein?

Zahnlose Tiger und warme iPhones

So, die Kurzgeschichte ist fertig und nun in den Händen meiner persönlichen Lektoren. Heute oder morgen wird sie dann eingetütet und ab dann darf man ihr die Daumen drücken. Ich habe ihr den Titel “Der Sternemacher” gegeben.

Mithilfe meiner Twitterfollower habe ich mir dann auch noch selbst einen neuen Titel bzw. ein Pseudonym zugelegt. Ich hatte aus Scherz (oder war es etwa doch ernst gemeint?) in die Runde gefragt, ob ich nicht damit beginnen sollte Schwedenkrimis zu schreiben, da diese ja in Deutschland weggehen wie warme iPhones. Gleichzeitig hatte ich nach Vorschlägen für ein passendes Pseudonym gebeten. Mein bisheriger Favorit ist Lars Stiegsson.

Vielleicht nehme ich mir tatsächlich im bevorstehenden Urlaub mal einen Schwedenkrimi zur Brust. Danach kann ich ja entscheiden ob, wie und wie viele Morde ich in den Wäldern Schwedens auf dem Papier begehen soll.

Kleine Anekdote am Rande: selbst lese ich Krimis nicht so oft. Aber als ich vor einigen Jahren nach Stockholm gezogen bin habe ich mir ein schwedisches Kinderbuch geschnappt, um die Sprache zu üben. Das Buch war aber äußerst psychedelisch, und ich habe so gut wie nichts verstanden. Es ging um zahnlose Tiger, die in Schrottautos herumgefahren sind. Frustriert gab ich auf. Dann gab mir aber ein Freund den Tipp mich mal an einem Wallander-Buch zu probieren und siehe da, das ging viel besser. Wer also Schwedisch lernen möchte, sollte es mal mit Mankell probieren.

Strickwaren die ich rief – Teil 5

Immer wieder werde ich um weitere Urban Knitting Beiträge gebeten. Daher halte ich immer die Ausschau nach Strickwaren, wenn ich durch die Straßen Stockholms trotte. Hier und da findet man immer wieder ein Straßenschild, dass mit ein paar Maschen verziert wurde, aber folgender Fund muss bisher das ambitionierteste Projekt der Stockholmer Strickmafia sein.

Einen Handlungsstrang stricken können viele, aber gleich ein ganzes Fahrrad?! Respekt!

(Wer wissen möchte, was dies mit meinen Erfahrungen beim Schreiben zu tun hat, lese bitte diesen alten Eintrag.)

Suchen oder Schreiben, das ist hier die Frage.

Mir ist eben aufgefallen, dass ich schon seit Längerem keine Verlagsabsage mehr erhalten habe. Das könnte bedeuten, dass mein Manuskript nun offiziell von allen Verlagen, die ich angeschrieben habe, abgelehnt wurde, obwohl nach meiner Rechnung noch ein paar fehlen. Aber nach einem halben Jahr werden die sich sicherlich auch nicht mehr melden.

Die Überarbeitung des Manuskripts und des Exposés, sowie der ganze andere Kram, der bei der Verlagssuche zu beachten war, hatte mich so gestresst, dass ich das Kapitel so ziemlich abgeschlossen hatte.  Statt weitere Verlage anzuschreiben und einen Agenten zu suchen, habe mich in das neue Buchprojekt sowie in zwei Kurzgeschichtenwettbewerbe geflüchtet. Das neue Projekt hat nun in letzter Zeit auch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hat, aber ich freue mich schon sehr darauf, wieder zu ihm zurückzukehren.

Bevor ich dies tue stellt sich allerdings die Frage, ob ich nicht vielleicht doch noch einen zweiten Anlauf in punkto Verlagssuche starten sollte? Immerhin hatte ich beim ersten Anlauf nur die „Großen“ angeschrieben und wollte danach eigentlich die kleineren Verlage anschreiben. Außerdem stand auch noch die Suche nach einem Literaturagenten auf der Checkliste.

Ich werde mich jetzt bis zum Ende des Monats auf die „15 Minuten“-Kurzgeschichte konzentrieren und danach werde ich entscheiden, worauf ich meine Aufmerksamkeit richten werde: das fertige oder das noch ziemlich junge Buchprojekt?!?

Kurzgeschichten-Boot Camp

Am Wochenende hatte ich mir zu Hause ein Kurzgeschichten-Boot Camp eingerichtet, um mit meinen Beitrag für den Spiegel-Wettbewerb in die Gänge zu kommen. Am Samstag war von Boot allerdings nicht so viel zu spüren. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass sich die Ideensuche etwas zäh gestaltete. DasThema des Wettbewerbs lautet „15 Minuten“ und bezieht sich auf die warholsche Behauptung, dass jeder Mensch in seinem 15 Minuten Ruhm habe.

Schwierig, schwierig, denn mein eigenes Leben bietet diesbezüglich recht wenig

Inspirationsmaterial. Aber einem richtigen Schriftsteller dient das leider nicht als Ausrede. Also mussten die grauen Zellen bemüht werden. Während des Ideenfindungsprozess mutierte das Boot Camp in ein Kaffee und Snack Camp. Mein größtes Problem war, dass ich nicht ein offensichtliches Thema wählen wollte, sprich eine Geschichte, in der jemand unverhofft zu Ruhm gelangt. (Blog-Kollege Daniel hat scheinbar ein ähnliches Problem)

Also habe ich versucht, die Thematik von einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Irgendwann kam dann die zündende Idee, aber da war der erste Tag des Camps auch schon vorbei. (hätte ich diesen Blogeintrag von Thorsten Boose etwas früher gefunden, wäre mir vielleicht schon eher etwas eingefallen.)

Am zweiten Tag spürte ich dann endlich den Boot im Hinterteil, beziehungsweise den Zeitdruck, und das Schreiben ging mir bestens von der Hand. Die Geschichte ist so gut wie fertig, bedarf aber noch einiger Überarbeitung. Über ihren Inhalt werde ich mich aber erst später auslassen, wenn die Anmeldefrist verstrichen ist. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht. ;)

Und wer weiß was noch alles geschehen wird, wenn der Rotstift zum Einsatz kommt.

Auf den Hasen gekommen

Matthew Richardson vom PrefixMag kennt mich zwar nicht, dennoch hat er es geschafft mich in nur wenigen Worten zu beschreiben:

If you read this and wonder why you’re not a songwriter, composer, screenwriter and novelist, like Nick Cave is, the answer is because he is Nick Cave and you are some dude sitting in front of your computer in awe of how prolific Cave manages to be.

In der Tat sitze ich mal wieder vor meinem Computer, und da ich soeben von Nick Caves neuem Roman erfahren habe, frage ich mich tatsächlich, wie es dem Mann gelingt so produktiv zu sein. Nun also mal wieder ein Buch. Sein Zweites um genau zu sein, mit dem Titel “The Death of Bunny Munro”. Sein Debut, “Die Eselin sah den Engel”, das vor genau 20 Jahren erschien, war ein faszinierender, wortgewaltiger, verstörender und bibellastiger Abstieg in die Abgründe  der menschlichen Seele, die Cave mit Hilfe eines Mehlsacks voll Kokain in seiner Kreuzberger Wohnung in seine Schreibmaschine gehämmert hatte.

Bunny Munro scheint dem Vorgänger in nichts nachzustehen, ausser dass der Roman dieses Mal in Brighton und im nüchternen Zustand verfasst wurde. Und wenn man Irvine Welshs Aussage glauben schenken darf, enthält das Buch sogar Spuren von Humor:

Put Cormac McCarthy, Franz Kafka and Benny Hill together in a Brighton seaside guesthouse and they might just come up with Bunny Munro.

Mr. Cave hat Auszüge aus seinem Werk als Hörbuch ins Netz gestellt, die definitiv neugierig machen. Es gibt zudem zwei Videos in denen man Nick beim Vorlesen zuschauen darf.

Dabei schmeisst er sich so ins Zeug, dass ich mich nicht wundern würde, ihn bald auch mal wieder als Schauspieler in Aktion zu sehen. Er hat scheinbar sowieso zu viel Freizeit, also warum eigentlich nicht.

Mittagspause in den Fußspuren eines Popstars

Ich versuche es noch mal. Ich nehme an einem weiteren Kurzgeschichtenwettbewerb teil. Bevor ich aber verrate, um welchen Wettbewerb es sich handelt, gebe ich noch schnelle eine passende Anekdote zum besten. Heute machte ich mich, wie an jedem Tag, so gegen 12 Uhr auf dem Weg in die Mittagspause. Doch als ich auf die Glastür zuging, um das Gebäude zu verlassen, war etwas anders als sonst. Dort standen nämlich dichtgedrängt ein Dutzend Männer mit mächtigen Kameras im Anschlag. Missmutig gewährten sie mir Platz, um die Tür öffnen zu können. Ich grüsste in die Runde und fragte, ob die Herren schon lange auf mich gewartet hätten. Einer von ihnen machte das Spässchen mit, hielt kurz seine Kamera hoch als wolle er mich tatsächlich fotografieren und erwiderte “15 minutes of fame”.

Was hat dies nun mit dem Wettbewerb zu tun? Nun, dessen Thema ist “15 Minuten” in Anspielung auf Andy Warhols Erkenntnis, nach derangeblich jeder Mensch “15 Minutes of fame” in seinem Leben hat. Von daher habe ich die Begegnung mit den Paparazzi als gutes Omen aufgefasst und fühle mich nun in meinem Vorhaben bestärkt an dem von Spiegel Online und Thalia ausgerichteten Wettbewerb teilzunehmen. Allerdings bin ich mal wieder spät dran. Einsendeschluss ist der 31 Juli.

Und nun zurück zu den Fotografen. Diese waren wie zu erwarten nicht wegen mir dort, sondern wegen Britney Spears. Diese residiert zurzeit nämlich in Stockholm, genauer gesagt im Grand Hotel, das an unser Bürogebäude angrenzt. Theoretisch kann man durch eine Art Notausgang, das Hotel durch unser Gebäude verlassen. Darauf haben die Fotografen und eine Handvoll Teenager zumindest gehofft. Vor dem Hotel sah es sogar noch schlimmer aus. Dort standen hunderte von Menschen – was auf dem Foto nicht wirklich zu erkennen ist – und warteten auf uns Britney. Mich würdigten sie keines Blickes. Meine 15 Sekunden des Ruhms waren bereits verstrichen.

Free für Lau

Mal angenommen Ihr wäret der Chefredakteur eines weltweit erfolgreichen Magazins und hättet einen Buchvertrag in der Tasche. Was  würdet Ihr tun? Vielleicht zurücklehnen und hoffen, dass sich das Buch einigermassen verkauft?

Chris Anderson, Chefredakteur des Wired Magazins hat folgendes getan: er verschenkt sein Buch, mit dem allzu passenden Titel “Free”, online. Das Buch ist allerdings nur als E-Book und als Hörbuch umsonst, denn das gute alte Buch aus Papier und Leim ist im Handel käuflich zu erwerben.

Nun, was soll man davon halten? Andersons Marketingmodell orientiert sich an anderen Künstlern, wie beispielsweise Radiohead, deren letztes Album man in digitaler Form auch umsonst (bzw. man durfte dafür auch bezahlen, falls einem danach war) runterladen konnte. Die CD oder LP gab es aber nach wie vor  im Plattenladen zu kaufen.

Anderson ist auch nicht der erste Schriftsteller, der sein Werk umsonst ins Netz stellt. Über Scott Siglers Erfolg mit seinen Podiobooks hatte ich ja bereits berichtet. Diese haben ihm immerhin einen Vertrag mit einem Verlag eingebracht. Diesen hatte Anderson allerdings bereits, bevor er sein Buch umsonst ins Netzt stellte.

Wahrscheinlich werden wir in Zukunft mehrere solcher Marketingstrategien sehen. Ich bin gespannt, ob sie von Erfolg gekrönt sein werden.

Hier erklärt Anderson worum es in seinem Buch geht, nämlich wie man mit Gratisprodukten Geld machen kann.

Der Anfang vom Ende

Aller Anfang ist schwer! So begann einer der ersten Einträge hier auf BuchGeburt. Damit hatte ich mich auf das Schreiben eines Buches bezogen, aber natürlich trifft diese äußerst scharfsinnige Feststellung auch auf das Bloggen zu. Nun, fällt mir aber leider kein altkluges Sprichwort ein, das die Schwierigkeiten nach der überstandenen Anfangsetappe beschreibt.

Aber zurück zum Anfang. Der Anfang eines Buches – idealerweise bereits der erste Satz, auf jeden Fall aber die ersten Seiten, das erste Kapitel – sollte den Leser fesseln, ihm einen Vorgeschmack auf das zu Erwartende geben, ihm nach mehr verlangen lassen. Der Druck, der auf dem Schriftsteller beim Verfassen der ersten Worte lastet ist also enorm. Manche werden mit dem Druck besser fertig, als andere. Man betrachte nur folgendes Beispiel. Selten habe ich eine erste Buchseite gesehen, die versucht so viel Spannung in nur wenigen Sätzen aufzubauen.

Genial?

Grottenschlecht?

Genial schlecht?