Monthly Archive for October, 2009

Eilmeldung

(Krimi-)Fälle die das Leben schreibt

Für alle Anhänger des Schweden-Krimi-Genres, aber insbesondere für Krimi-Autoren, habe ich heute den perfekten Link-Tipp: Auf Skandinavische Kriminalfälle werden fleißig Verbrechen aller Art aus dem hohen Norden zusammengetragen. Wer sich also ein Bild darüber machen möchte, ob Stig Larsson, Håkan Nesse, Liza Marklund, Henning Mankell und all die anderen Vertreter der Scandi-Crime in ihren Bücher über- oder gar untertreiben, ist hier bestens aufgehoben.

Als ich vor rund fünf Jahren in Schweden ankam war ich überrascht von der Menge der Kriminalfälle, die einem bei der morgendlichen Zeitungslektüre entgegenschlagen. So viel Mord und Totschlag hatte ich in diesem idyllischen und beschaulichen Land nicht vermutet. Meiner Meinung nach, sind Schweden und seine skandinavischen Nachbarn nicht gewalttätiger und verruchter als andere Länder auch. Dennoch scheinen Morde häufiger auf den Titelseiten der Boulevardblätter zu landen, als beispielsweise in Deutschland. Und da dem so ist, haben auf jeden Fall etablierte und werdende Krimi-Schriftsteller eine wertvollen Informationspool aus dem sie schöpfen können.

Für all jene etablierten und werdenden Krimi-Schriftsteller Deutschlands, die nicht einer der skandinavischen Sprachen mächtig sind sei Skandinavische Kriminalfälle als eben solche Inspirationsquelle empfohlen. Aber auch wenn man nicht auf Krimi-Material erpicht ist, lohnt sich ein Besuch des Blogs.

Den Traum zu Grabe tragen

Alle Schriftsteller kennen das schreckliche Reizwort, das mit „Ab“ beginnt und mit „sage“ endet. Monate, gar Jahre hat man im stillen Kämmerlein verbracht, Wort für Wort und Satz für Satz in eine Tastatur gehämmert und viel Schweiß und Blut vergossen, bis das Buch schließlich fertig war. Nicht irgendein Buch, sondern das Eigene und dazu vielleicht eines der besten Bücher überhaupt. Doch mit der Meinung ist man oft alleine, denn nach und nach trudeln die ersten Verlagsabsagen ein. Plötzlich beginnt der Traum vom Schriftstellerdasein zu bröckeln. Für viele stirbt der Traum sogar.

Ähnlich erging es Mary Patrick Kavanaugh. Auch sie hatte ein Buch geschrieben und den Traum gehegt, dass dieses eines Tages in den Bücherregalen der Welt zu finden sein würde. Doch die Verlage wollten nicht mitspielen und erteilten ihr eine Absage nach der anderen. Schließlich trat ihr Agent mit dem Rat an sie heran, das Buch selbst zu veröffentlichen. Das war der Todesstoß. Der Traum vom Buchvertrag war tot.

Was macht Mary? Sie beschließt das Buch tatsächlich selbst zu veröffentlichen und den Traum zu Grabe zu tragen. Das ist nicht bildlich gesprochen. Sie hat tatsächlich eine Beerdigung für ihren Traum mit Sarg, kirchlicher Zeremonie und allem drum und dran organisiert. Die Zeremonie wurde gefilmt, auf Youtube geladen und wuuusch der Marketingstunt beförderte Mary über Blogs und Podcast hinweg in die amerikanischen Medien und sogar bis auf Oprah Winfreys Couch.

Wenn man seinen Traum zu Grabe tragen muss, dann sollte man also versuchen das Beste aus seinem Ableben herauszuholen.

Buch-Doku Kerouac’s Big Sur

Ich liebe guter Bücher, aber mindestens genauso sehr mag ich Dokumentationen über gute Bücher beziehungsweise deren Schöpfer. Es ist immer wieder äußerst interessant einen kleinen Einblick in das Leben und Denken von kreativen Menschen zu bekommen.

Vorhin bin ich über einen Trailer gesurft, der just eine solche Innenansicht des Beat-Heldens Jack Kerouac zu liefern scheint: One Fast Move or I’m Gone: Kerouac’s Big Sur. Der Trailer beginnt mit dem Ausrollen des Manuskripts von Big Sur; was mehr kann sich der Bücher-Doku-Nerd wünschen. Die Doku ist seit letzter Woche in den USA als DVD erhältlich. Wenn mich nicht alles täuscht, sollte sie in Deutschland ab dem 6. November zu haben sein.

Was ist ein Vook?

Eine Stahlpfanne, die häufig in der asiatischen Küche zum Einsatz kommt? Ein kleines pelziges Lebewesen, vom Planeten Kashyyyk? Oder das Buch der Zukunft?

Tatsächlich könnte es Letzteres sein. Anfang Oktober präsentierte das Verlagshaus Simon & Schuster eine Reihe von eBooks, die Text mit Video verbinden. Aus der Synergie von Buch und Video entstand nicht nur ein Cross-Media-Buch, sondern auch der griffige Name Vook.

Ladet man sich nun ein Vook auf den E-Reader oder das iPhone trifft man also nicht mehr nur auf die guten alten Buchstaben, sondern auch auf Videos, die das Leseerlebnis erweitern sollen. Handelt es sich beispielsweise um ein Koch- oder ein Trainingsbuch, kann man sich erst den Text durchlesen und daraufhin ein Video konsultieren, das die Instruktionen veranschaulicht. Bei Sachbüchern lasse ich gerne die Devise gelten „je mehr Informationen desto besser“. Doch wie sieht es bei einem Vook-Roman aus? Nun, auch dort sollen zusätzliche Informationen in den Text eingebettet werden, beispielsweise Videos von Schauplätzen oder Personen, die der Text beschreibt.


Der Vook-Roman spricht mich spontan allerdings nicht besonders an, da ein Buch ja eigentlich das Manuskript für den Film im Kopf des Lesers sein soll. Durch zu viele Zusatzinformationen (die man ja eigentlich nur abrufen muss, wenn einem danach ist) wird meiner Meinung nach die Phantasie beim Lesen zu sehr eingeschränkt.

Dennoch finde ich das Konzept äußerst interessant und wegweisend. Richtig angewandt kann man in einigen Jahren sicherlich ein ansprechendes Vook-Leseerlebnis erschaffen.

Das denken andere Blogger über das Vook:

e-book news

Angelibri

Eliterator

e-Leseratte

Die Trägheit der Buchbranche

In der Taz  erschien am Montag ein Artikel von Julia Niemann über „Das Zögern der Buchbranche“. Der Artikel spricht mir in vielen Punkten aus der Seele, da er die Trägheit der Buchbranche  kritisiert. Dies mache ich ja auch gerne, wenn ich mal wieder nichts Besseres zu tun habe.

Auch wenn der zu Rate gezogene Blogger Markus Beckedahl mit der Behauptung erwähnt wird, ein Vergleich zur Musikindustrie, die das digitale Zeitalter mehr als verpennt hat, sei nicht zu ziehen, bemerkt der Artikel doch folgerichtig, dass die Buchbranche zumindest sehr gut darin ist in dieselben Fettnäpfchen wie ihre Kollegen zu treten. Dies bezieht sich hauptsächlich auf den Umgang mit dem Kunden beziehungsweise auf verzweifelte Maßnahmen, um diesen „zu entmündigen“.  Des Weiteren wird über DRM, ebooks und der Mangel an innovativen Verkaufsmodellen eingegangen.

Die Buchbranche muss also schnell in die Gänge kommen, um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein. Was der Artikel, wie auch die meisten anderen seiner Art, die während der Frankfurter Buchmesse geschrieben wurden, leider nicht aufgreift, sind die Aktivitäten der Zulieferer der Buchbranche, die Autoren selber. Das Netz ist voll von Hobbyschriftstellern – aber auch etablierten Autoren – die nach neuen Wegen suchen ihre Werke in Eigenregie, also ganz ohne Zwischenhändler, an den Mann zu bringen. Via Blogs, Podiobooks PoD, online Buchplattformen usw. werden eigenständig Leserschaften erschlossen.

Diese Kanäle sind zwar noch lange keine ernsthafte Gefahr für die Branche, aber früher oder später könnten sie dies werden. Erste Erfolgsbeispiele gibt es bereits. Scott Sigler hat es beispielsweise mit seinen Podiobooks bis auf die Bestsellerliste der NY Times geschafft. Dort bin ich zwar noch nicht angelangt, aber auch  in den Maschinenräumen der Buchgeburt wird auf Hochdruck daran gearbeitet, Lesbares mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen.

Letztendlich glaube ich, dass die deutsche Buchbranche uns 2.0 Autoren (ein noch schlechterer Begriff ist mir leider auf die Schnelle nicht eingefallen) noch gar nicht auf dem Radar hat. Sollte sie aber.

Huxley liest Huxley

Schöne Neue Welt steht ganz oben auf der (recht kurzen) Liste meiner Lieblings-Dystopie-Bücher. Aldous Huxley war ein grandioser Visionär – auch wenn er geplant hatte das Grundwasser von San Fransisco mit LSD zu versetzen* – der es geschafft hat seine düsteren Vorraussagen in eine spannende Geschichte zu verpacken. Speziell die Mittel, die der totalitäre Staat benutzte, um das Folk bei Laune zu halten, sind äußerst interessant beschrieben. Z.B. das Gefühlskino, das alle Sinne des Betrachters stimuliert oder die Gesellschaftsdroge Soma, die der Bevölkerung alle Sorgen und Ängste aus dem Kopf fegt.

Nun kann man sich dies alles auch noch mal vom Großmeister selbst vorlesen lassen. 1958 hat Huxley seinen Roman für CBS Radio gelesen. Die Aufnahme kann hier (Teil 1, Teil 2) runtergeladen werden.

Via Nerdcore

* Das hatte ich zumindest mal in einer Dokumentation gehört, kann aber keine Quellen finden, die meine Behauptung stützen. Vielleicht war ich auf Soma als ich die Doku sah.

Rico is back…und Kevin-Lukas wird immer noch Chef

Rico Beutlich, der von mir im Vorbeigehen zum Schutzheiligen aller Hobbyschriftsteller ernannt wurde, hat die Gebete seiner Fans erhört und ein weiteres Video online gestellt, in dem er aus seinem Meisterwerk “Kevin-Lukas wird Chef” vorliest.

Vielen Dank Rico bzw. 42er Autoren.

FBM-Doku: Im Herzen Amazons

Dieses Jahr ist Frankfurter Buchmesse in dieser bescheidenen Ecke des Internets bisher noch unerwähnt geblieben. Eigentlich hatte ich auch nicht eingeplant ihr viel Beachtung zu schenken, aber ich bin über eine Doku gestolpert, die mein Interesse für den Literaturzirkus geweckt hat. Der SWR wird am Donnerstag um 23.00 Uhr die Reportage “Wie wird man Bestseller – Der Buchmarkt, die Messe und die Jagd” ausstrahlen. Kein Wunder, dass dieser Titel direkt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Bisher ist nur ein 5-minütiger Trailer online zu begutachten, aber allein der Einblick in Amazon Deutschlands Herzstück, dem Bücherlogistik-Zenter mit mehr als einer Million Titel, lässt das Herz eines Bücherfreaks und Geeks höher schlagen.

Hoffentlich wird auch die volle Reportage online gestellt, damit sie sich fernsehlose Hobbyschriftsteller in Schweden auch anschauen können.

Zur Frankfurter Buchmesse hat sich übrigens auch Lilly Berry ein paar Gedanken gemacht.

Das E-Buch rollt das Feld von hinten auf

Und nun mal wieder ein paar Gedanken zum E-Buch. Selbst besitze ich keines und in meinem Bekanntenkreis habe ich bisher nur ein einziges E-Buch geortet. Doch obwohl das elektronische Buch in Europa so selten anzutreffen ist, dass man nicht einmal von einem Schattendasein sprechen kann, ohne kräftig zu übertreiben, wird ihm eine strahlende Zukunft prognostiziert.

Laut der FAZ gehen Vertreter der deutschen Buchbranche davon aus, dass das E-Bock 2018 das gedruckte Buch beim Umsatz überholen wird. Zwar glaube auch ich, dass das elektronische Buch eine ähnlich steile Karriere hinlegen wird, wie seinerzeit der iPod, aber dennoch halte ich diese Prognose für sehr optimistisch. Da werden die Early-Adopters bis dahin eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Hat man in dieser Prognose denn auch illegale Downloads mit einkalkuliert? In neun Jahren wissen wir mehr.