Archive for the 'Bücher&Autoren' Category

Huxley liest Huxley

Schöne Neue Welt steht ganz oben auf der (recht kurzen) Liste meiner Lieblings-Dystopie-Bücher. Aldous Huxley war ein grandioser Visionär – auch wenn er geplant hatte das Grundwasser von San Fransisco mit LSD zu versetzen* – der es geschafft hat seine düsteren Vorraussagen in eine spannende Geschichte zu verpacken. Speziell die Mittel, die der totalitäre Staat benutzte, um das Folk bei Laune zu halten, sind äußerst interessant beschrieben. Z.B. das Gefühlskino, das alle Sinne des Betrachters stimuliert oder die Gesellschaftsdroge Soma, die der Bevölkerung alle Sorgen und Ängste aus dem Kopf fegt.

Nun kann man sich dies alles auch noch mal vom Großmeister selbst vorlesen lassen. 1958 hat Huxley seinen Roman für CBS Radio gelesen. Die Aufnahme kann hier (Teil 1, Teil 2) runtergeladen werden.

Via Nerdcore

* Das hatte ich zumindest mal in einer Dokumentation gehört, kann aber keine Quellen finden, die meine Behauptung stützen. Vielleicht war ich auf Soma als ich die Doku sah.

FBM-Doku: Im Herzen Amazons

Dieses Jahr ist Frankfurter Buchmesse in dieser bescheidenen Ecke des Internets bisher noch unerwähnt geblieben. Eigentlich hatte ich auch nicht eingeplant ihr viel Beachtung zu schenken, aber ich bin über eine Doku gestolpert, die mein Interesse für den Literaturzirkus geweckt hat. Der SWR wird am Donnerstag um 23.00 Uhr die Reportage “Wie wird man Bestseller – Der Buchmarkt, die Messe und die Jagd” ausstrahlen. Kein Wunder, dass dieser Titel direkt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Bisher ist nur ein 5-minütiger Trailer online zu begutachten, aber allein der Einblick in Amazon Deutschlands Herzstück, dem Bücherlogistik-Zenter mit mehr als einer Million Titel, lässt das Herz eines Bücherfreaks und Geeks höher schlagen.

Hoffentlich wird auch die volle Reportage online gestellt, damit sie sich fernsehlose Hobbyschriftsteller in Schweden auch anschauen können.

Zur Frankfurter Buchmesse hat sich übrigens auch Lilly Berry ein paar Gedanken gemacht.

Graveyard Book von hinten

Zum Schreiben bin ich im Urlaub noch nicht so richtig gekommen, aber wenigstens hat es mit dem Lesen bisher wunderbar geklappt. Eben habe ich die letzten Seiten von Neil Gaimans „Graveyard Book“ in der prallen Sonne gelesen. Wie all die anderen Werke Gaimans, sei es Comics, Romane oder was er sonst noch so macht, äußerst kreativ und phantasievoll, aber auch nicht sein bestes.

Die sehr niedliche Entstehungsgeschichte des Buches beschreibt passend worum es in diesem geht: Vor zwei Jahrzehnten beobachtete der junge Gaiman wie sein Sohn zwischen den Grabsteinen des benachbarten Friedhofs herumtollte und plötzlich war eine Buchidee geboren. Er fühlte sich bei dem Anblick an Das Dschungelbuch erinnert, befand dass es interessant sein könnte den Dschungel mit einem Friedhof und die Dschungelbewohner mit Geistern auszutauschen.

Neben dieser Anekdote gibt Gaiman im Nachwort auch einen Einblick in den Schreibprozess, was ich als Buchhebamme immer wieder sehr spannend finde. Der gute Neil hat nämlich mit dem dritten Kapitel begonnen. Ob dieses Kapitel ursprünglich als Anfang gedacht war verrät er nicht. Persönlich schreibe ich aber eher linear, ohne Sprünge nach vorne oder hinten im Text.

Ich merke gerade, dass ich eine Nische in der Literaturrezension gefunden habe. Statt das eigentliche Buch zu besprechen, rezensiere ich das Nachwort.

Schlechte Bücher

Der Sternenwanderer hat eine sehr interessante Diskussion ins Rollen gebracht: Was macht ein schlechtes Buch aus?

Das kann natürlich nur subjektiv betrachtet werden. Schaut man beispielsweise auf  die Liste “The worst books of all time” bei Goodreads, stehen beispielsweise ein Schwung Erfolgsautoren wie Stephenie Meyer und Dan Brown ganz oben. Würde ich an dieser Stelle etwas schlechtes über diese Autoren schreiben, wären mir wahrscheinlich einige erzürnte Kommentare sicher ;)

Interessant an diese Liste ist, dass dort hauptsächlich Bestseller zu finden sind. Bedeutet dies, dass die breite Masse einen schlechten Geschmack hat? Diese Frage lasse ich mal offen.

Mein Prinzip ist “jedem das Seine”, und solange die Leute Bücher in die Hand nehmen, sollen sie lesen was sie wollen und ich werde ihnen nicht in die Parade fahren. Doch nun zur Beantwortung der eigentlichen Frage. Was macht für mich ein schlechtes Buch aus. Spontan fallen mir folgende Faktoren ein:

  • Vorhersehbarkeit
  • Verkrampfte Dialoge
  • Ideenklau
  • Der Versuch vom Erfolg anderer Autoren und populärer Themen zu profitieren
  • Guter Anfang – enttäuschendes Ende(über einen schlechten Anfang kann ich hinwegsehen, wenn der Rest dann später an Qualität gewinnt)
  • Der Versuch das Buch mit aufgesetzten Wortschwall und verschnörkelten Satzkonstruktionen aufzuwerten (Obwohl ich nichts gegen Wortschwall und verschnörkelte Satzkonstruktionen habe, wenn der Autor diese auch überzeugend einbinden kann)
  • Promi-Romane (sorry, die kann ich mir echt nicht geben, auch wenn sie tatsächlich gut sein sollten)
  • Und zu guter Letzt: Mangelnde Chemie. Manchmal springt der Funke einfach nicht über, auch wenn man nicht richtig weiß warum.

Interessant ist die Einteilung dieser Liste über schlechte Bücher. Hier wurde unter anderem zwischen “bösen” (siehe u.a. Mein Kampf), “prätentiösen” und “überschätzten” Büchern unterschieden.

Zu diesem Thema sollte man sich eigentlich auch fragen, was ein gutes Buch ausmacht. Aber das hebe ich mir für später auf.

Bestseller Boom im Nachtstudio

Mit rund zwei Wochen Verspätung habe ich endlich die Zeit gefunden mir das Nachstudio zum Thema ”Bestseller-Boom – Wie schreibe ich einen Roman” dank der ZDF Mediathek anzuschauen. Der Titel war vielversprechend. Mit Julia Franck (Die Mittagsfrau) war auch tatsächlich eine Schriftstellerin in der Gesprächsrunde anwesend, die einen Bestseller aufzuweisen hat. Allerdings frage ich mich noch immer, was die Produzenten und Redakteure dazu veranlasst hat einen Bestseller-Boom auszurufen?

Egal, zurück zur Sendung. Über die versprochenen Entstehung eines Buches erfuhr man leider nur wenig. Wer sich noch nie am Schreiben versucht hat konnte lernen, dass das Verfassen eines Buches harte und zeitintensive Arbeit ist und dass den meisten Geschichten eine packende Idee zugrunde liegt.

Der Verlauf einer Buchgeburt (sorry, kann mir das nicht verkneifen ;) ), mit Recherche, Höhen und Tiefen, Verlagssuche, Ablehnung, Zusage kam so gut wie gar nicht vor. Das Interessanteste war wohl ein flüchtiger Einblick in die Arbeit mit einem Lektor, der aber viel zu kurz geraten war. Eine ausführlichere Schilderung des Entstehungsprozesses dürfte man sich von einer Dokumentation des ebenfalls anwesenden Autors John von Düffel erhoffen. Dieser hatte sich nämlich von einem Kamerateam während der Arbeit an seinem Roman Houwelandt begleiten lassen.

Was habe ich noch von dieser Diskussionsrunde lernen können:

  • Ein Dramatiker lebt für gewöhnlich kürzer als ein Romancier
  • Exzessives Saufen bringt den Schriftsteller, entgegen aller gängigen Mythen, nicht weit
  • Laut Hanns-Josef Ortheil, Dozent für Kreatives Schreiben, bedarf es keiner weiteren literarischen Schilderungen von Sexszenen, da dies bereits von einem Schriftsteller, dessen Name mir nun leider entfallen ist, in unnachahmlicher Weise erledigt wurde.

Na, wenn das mal nicht ein gutes Argument ist. Da bleiben ja nicht mehr so viele Dinge übrig, an deren Schilderung man sich heutzutage als Schriftsteller noch heranwagen kann. Spam vielleicht? Oder ein Tennisarm?

Zur Sendung geht es hier.

Der Literarische Fightclub

In der FAZ geht es derzeit heiß her. Die Kulturredaktion versucht mit aller Macht Gewalt und Aggression in der Literaturszene zu schüren. Erst gestern erschien ein Artikel mit dem Titel „Dichter hassen besser“ in dem zu einen berühmte Dichterfehden reminisziert werden und zum anderen arme Schriftstellerikonen ganz nebenbei eine verpasst bekommen: „ Emile Zola, einer der meistgehassten Dichter aller Zeiten“. Der arme Kerl.

Aber das ist noch lange nicht alles. Clemens Meyer fordert seine Schriftstellerkollegen in seinem FAZ-Blog dazu auf, die Schreibgeräte aus der Hand zu nehmen und stattdessen die Fäuste zu schwingen; ganz im Stile von Hemingway, der sich sogar nicht zu schade war, Tote herauszufordern: „ ich habe angefangen zu versuchen, tote Schriftsteller zu schlagen, von denen ich weiß, wie gut sie waren”.

Ist die FAZ etwa Wegbereiter für einen neuen Trend in der Literaturszene? Für ein wenig Aufmerksamkeit tue ich ja bekanntlich alles. Nehmen wir also mal an, die altehrwürdige Zeitung hat Recht, und bald werden Buchmessen nichts anderes als Kampfveranstaltungen sein: wären dann nicht David-gegen-Goliath-Kämpfe besonders populär? Ich alter Hobbyschriftsteller bräuchte also nur einen etablierten „Champ“ der  Literaturkampfszene herausfordern und boooom wäre ich im Geschäft. Wie wär’s Mr. Meyer? Ready to rumble ;)

Ich werde mir mal ein paar rohe Eier genehmigen und dann kann es los gehen.

Mangelware

Statt Weihnachtsgeschenke zu kaufen, habe ich mir ein paar neue Bücher besorgt. Deutsche Titel sind in Stockholm leider Mangelware. Deshalb sind es mal wieder ein paar englische Bücher geworden. Ich habe zwar keinerlei Probleme Bücher auf Englisch oder Schwedisch zu lesen, aber eine Stimme im Hinterkopf redet mir immer wieder ein schlechtes Gewissen ein: „Du sprichst den ganzen Tag kaum Deutsch und liest dann auch noch englische Bücher! Du verdirbst dir deinen Schreibstil.“

Ein kleiner Funken Wahrheit mag wohl in dieser Behauptung stecken. Aber ab nächste Woche bin ich wieder in Deutschland, wo ich mich wieder mit Büchern in Deutscher Sprache eindecken werde.

Ach ja, die Bücher, die ich mir besorgt habe sind:

The White Tiger – Aravind Adiga

The End of Mr. Y – Scarlett Thomas

Und das schwedische Wort des Tages lautet:

Språk [sprok] – Sprache

Selbst eine Armee schwedischer Briefträger kann mich jetzt nicht stoppen

Irgendetwas geht immer schief. Wie kürzlich berichtet, sind die letzten Anschreiben an die Verlage rausgegangen. Tja, und zufällig habe ich dann erfahren, dass ¾ der Kuverts falsch frankiert waren, was ausnahmsweise nicht mein Fehler war, aber dafür kann ich mir leider auch nichts kaufen. Bisher ist noch keines der Anschreiben zurückgekommen. Vielleicht habe ich ja Glück, und die schwedische Post hat im Moment genug zu tun, statt ihre Zeit damit zu verschwenden armen, deutschen Nachwuchsschriftstellern das Leben zu vermiesen.

Apropos Glück und Nachwuchsschriftsteller. Das Jetzt Magazin hat Benedict Wells (Becks letzter Sommer) interviewt und diesem Herrn hat das Glück bei der Verlagssuche unter die Arme gegriffen:

Ich habe meinen Agenten auf einer Halloween-Party in Berlin kennengelernt.

Nach Weihnachten sollte ich mich auch mal um einen Agenten bemühen. Dank Wells weiß ich nun auch, dass ich es schaffen werde und dass das Buch tatsächlich eines Tages verlegt werden wird – selbst eine Armee schwedischer Briefträger könnte mich jetzt nicht mehr stoppen – denn:

Doch wenn ich es schaffe – und das meine ich jetzt nicht als Klischee -, dann kann es wirklich jeder schaffen.

Danke Benedict!
Selbst habe ich seinen Debütroman noch nicht gelesen, aber Alex hat eine Rezension geschrieben und bei La Divina kann man erfahren, ob es sich lohnt einer Wells-Lesung beizuwohnen.

Das schwedische Wort des Tages:

brevbärare – Briefträger

Hunde stehen mit ihnen auch auf Kriegsfuss

Buch des Monats – Dezember

Wer schreibt, sollte auch viel Lesen. Oft hat man aber neben Arbeit und Schreibprojekten dazu nicht so viel Zeit, wie man es sich manchmal wünschte. Um mich aber zu mehr Lesedisziplin zu zwingen, habe ich mich dazu durchgerungen mindestens ein Mal im Monat ein Buch zu besprechen.

Diese neue Tradition wird eingeläutet mit Mark Haddon – Superguter Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone.

Haddon, der seine Karriere als Kinderbuchautor begann, erzählt in Superguter Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone die witzige und zugleich rührende Geschichte des 15-jährigen Christopher Boone, der quasi über Nacht zu einem Detektiv avanciert. In der Nachbarschaft wurde nämlich ein Hund hinterrücks mit einer Forke erstochen. Dieser Mord gilt aufgeklärt zu werden und Christopher beginnt in der Nachbarschaft Recherchen anzustellen.

Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Protagonist am Asperger-Syndrom leidet. Christopher nimmt die Welt also anders war, als seine Mitmenschen. Für ihn macht sie nur Sinn, solange sie in Listen, Fakten und Zahlen eingeteilt ist. Abstrakte Dinge, wie Witze oder Metaphern sind ihm ein Rätsel. Ebenso das Konzept der Lüge, das ihm nicht wirklich einleuchten will. Christopher wird im Verlauf des Buches mit einer horrenden Lüge konfrontiert, die sein Weltbild noch weiter ins wanken bringt, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Mit der Wahl des Protagonisten, hat Haddon einen Volltreffer gelandet. Wir haben es hier mit einem jungen Menschen zu tun, der zwar dieselbe Sprache spricht, wie alle um ihn herum auch, aber den zwischen den Wörtern liegenden Code nicht entschlüsseln kann. Mit diesem Kniff hält Haddon dem Leser einen Spiegel vor. Unsere zwischenmenschlichen Interaktionen werden von unausgesprochenen Regeln – einer Art sozialem Kitt – die wir unreflektiert befolgen, zusammengehalten. Wenn Christopher mit anderen Menschen spricht, wird sofort deutlich, dass vieles von dem, was ein Mensch tagtäglich sagt, oft gar nicht so, oder ganz anders gemeint ist.

Christopher hat nicht viel mit dem Protagonisten aus meiner Geschichte gemeinsam, aber was sie verbindet ist, dass sie  ihre Umgebung anders wahrnehmen als ihre Mitmenschen und dabei oft auf Unverständnis stoßen.

Das schöne an diesem Buch ist, dass den Leser sowohl zum weinen als auch zum lachen bringt und dies manchmal sogar gleichzeitig.

Bilderrätsel und Schwedisch für Anfänger

Die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter hat ein kleines Ratespiel gestartet, das Literaturenthusiast die Wartezeit bis Weihnachten verkürzen soll. Bis zum 24. Dezember werden auf DN.se täglich Illustrationen präsentiert, die Hinweis auf einen Literaturklassiker geben, den es zu erraten gilt.
Das erste Bilderrätsel war recht einfach zu lösen:

Alle weiteren Illustration sind unter folgendem Link zu finden (rechts neben dem Text  ist eine „Illustrerade Klassiker“ betitelte Rubrik).  Da es sich um ein Bilderrätsel handelt, sind Schwedischkenntnisse also nicht von Nöten.  Aber falls dennoch jemand Schwedisch lernen möchte, versuche ich von heute an das Schwedische Wort des Tages unter meine Posts zu stellen. Angefangen mit:

Förvandlingen – die Verwandlung