Archive for the 'Marketing' Category

FBM-Doku: Im Herzen Amazons

Dieses Jahr ist Frankfurter Buchmesse in dieser bescheidenen Ecke des Internets bisher noch unerwähnt geblieben. Eigentlich hatte ich auch nicht eingeplant ihr viel Beachtung zu schenken, aber ich bin über eine Doku gestolpert, die mein Interesse für den Literaturzirkus geweckt hat. Der SWR wird am Donnerstag um 23.00 Uhr die Reportage “Wie wird man Bestseller – Der Buchmarkt, die Messe und die Jagd” ausstrahlen. Kein Wunder, dass dieser Titel direkt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Bisher ist nur ein 5-minütiger Trailer online zu begutachten, aber allein der Einblick in Amazon Deutschlands Herzstück, dem Bücherlogistik-Zenter mit mehr als einer Million Titel, lässt das Herz eines Bücherfreaks und Geeks höher schlagen.

Hoffentlich wird auch die volle Reportage online gestellt, damit sie sich fernsehlose Hobbyschriftsteller in Schweden auch anschauen können.

Zur Frankfurter Buchmesse hat sich übrigens auch Lilly Berry ein paar Gedanken gemacht.

Free für Lau

Mal angenommen Ihr wäret der Chefredakteur eines weltweit erfolgreichen Magazins und hättet einen Buchvertrag in der Tasche. Was  würdet Ihr tun? Vielleicht zurücklehnen und hoffen, dass sich das Buch einigermassen verkauft?

Chris Anderson, Chefredakteur des Wired Magazins hat folgendes getan: er verschenkt sein Buch, mit dem allzu passenden Titel “Free”, online. Das Buch ist allerdings nur als E-Book und als Hörbuch umsonst, denn das gute alte Buch aus Papier und Leim ist im Handel käuflich zu erwerben.

Nun, was soll man davon halten? Andersons Marketingmodell orientiert sich an anderen Künstlern, wie beispielsweise Radiohead, deren letztes Album man in digitaler Form auch umsonst (bzw. man durfte dafür auch bezahlen, falls einem danach war) runterladen konnte. Die CD oder LP gab es aber nach wie vor  im Plattenladen zu kaufen.

Anderson ist auch nicht der erste Schriftsteller, der sein Werk umsonst ins Netz stellt. Über Scott Siglers Erfolg mit seinen Podiobooks hatte ich ja bereits berichtet. Diese haben ihm immerhin einen Vertrag mit einem Verlag eingebracht. Diesen hatte Anderson allerdings bereits, bevor er sein Buch umsonst ins Netzt stellte.

Wahrscheinlich werden wir in Zukunft mehrere solcher Marketingstrategien sehen. Ich bin gespannt, ob sie von Erfolg gekrönt sein werden.

Hier erklärt Anderson worum es in seinem Buch geht, nämlich wie man mit Gratisprodukten Geld machen kann.

Wo kommen eigentlich Bücher her?

Wie ein Buch entsteht: Von der Schreibmaschine in den Buchladen!

Ganz so falsch ist die Darstellung nicht. Vor allem zeigt sie mir auf, dass ich bisher eine ganze Menge falsch gemacht habe ;)

iPhone Books fürs Weihnachtsgeschäft

Passend zum Weihnachtsgeschäft hat die Amerikanische Buchbranche das iPhone für sich entdeckt.

Es gibt zwar schon einige Bücher in Apples App Store, die mit speziellen E-readern (eReader, Stanza), zu lesen sind, aber Bücher größerer Verlage waren dort bisher so gut wie nicht anzutreffen.

Der Amerikanische Verlag Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company hat nun aber angekündigt einige seiner Titel im App Store anzubieten. Der Vorteil dieses Angebot wird sein, dass jedes heruntergeladene Buch direkt auf dem iPhone/iPod lesbar ist, weil es als Download bereits über einen eReader verfügt.

Auf diese Ankündigung folgte unmittelbar eine Reaktion der Konkurrenz. Lexcycle, die Firma hinter dem iPhone eReader Stanza kündigte gestern eine Allianz mit dem eBook-Händler Fictionwise an. Gemeinsam möchte man 40 000 Buchtitel auf die iPhones und iPods dieser Welt bringen. Zu diesenTitel gehören Bestseller wie Twilight und Der Da Vinci Code.

Das eBook Phänomen ist natürlich nichts Neues und es steckt meiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen, aber just die Verfügbarkeit von eBooks in Apples App Store wird – man erinnere sich nur an den Erfolg des iTunes Store – deutlich mehr Bewegung ins Spiel bringen. Amazon muss sich also um Marktanteile fürchten, dafür erhalten unveröffentlichte (ok, vermutlich auch etablierte) Schriftsteller aller Voraussicht nach eine neue Plattform, die es ihnen erleichtern sollte, sich selbst zu vermarkten. Dies könnte früher oder später auch negative Folgen für die Publishing on Demand Branche haben.

Wie lange wird es dauern, bis Deutsche Verlage auf den Zug aufspringen?

Wir werden sehen….

Ich verfüge übrigens nicht über ein iPhone, aber wenn eine der oben genannten Firmen wollen, dass ich das ganze mal teste….über ein Probephone würde ich mich freuen ;)

Das Kaffeebohnen-Book-On-Demand

Deutschlands größter Kaffeehändler, dessen Name ähnlich klingt, wie das Geräusch, das beim Niesen entsteht, ist gemeinhin für den Verkauf von Bohnen, Handytarifen und Winterfunktionsunterwäsche bekannt. Wer gedacht hat, das eklektische Sortiment könne sich nicht noch weiter vom traditionellen Kaffeehandel entfernen, lag falsch, denn nun bietet man auch einen Book on Demand Service an.

Das Ganze geschieht in Kooperation mit dem „Name-Ist-Programm-Book-On-Demand-Service-Anbieter“ namens Books on Demand (BOD).

Wer also ein Buch via – ich komme wohl nicht um die Nennung der Firma herum – Tchibo in Druck geben möchte, kann dies mit rund 40 € für ein Zehntel des regulären BOD-Preises tun. Das Angebot gilt allerdings nur bis zum 06.01.09, was darauf schließen lässt, dass Tchibo darauf baut, dass die Deutschen nun ihre Memoiren, Tagebücher, Gedichte und Novellen aus der Schublade holen werden, um diese ihren Lieben in gebundener Form als Weihnachtsgeschenk zukommen zu lassen.

Auf das Thema Book on Demand will ich gar nicht weiter eingehen, möchte aber mit der Warnung Ursula Narrs abschließen:

Aber Vorsicht vor dem Kleingedruckten! Wer sein Buch zur Veröffentlichung und zum Verkauf freigibt geht einen Buchvertrag mit BoD über eine Laufzeit von fünf Jahren ein. Weitere Kosten können durchaus entstehen, da BoD für ihr so genanntes „Datenmanagement“ 1,99 Euro pro Monat verlangt. Wer sich aus dem Vertrag vor Laufzeitende lösen will, zahlt stolze 299 Euro…


New Media Herbstabend

Und schon wieder eine Erkältung eingefangen. Dabei ist doch erst Oktober. Bis Dezember werden sicherlich noch zwei, drei dazu kommen. Der Herbst hat Stockholm nun auch fest in seinem Griff. Permanenter Nieselregen, Laub säumt die Gehwege und der kalte Wind hat mich dazu bewegt, meine Handschuhe aus dem Schrank zu kramen, weil es einem beim Fahrradfahren doch recht eisig um die Finger wird.

Aber was gibt es besseres für kalte Herbstabende, als gemütlich vor dem Computer zu sitzen, auf BuchGeburt zu lesen und auf einen Link verwiesen zu werden, der zu einem Podcast führt? Bei besagtem Podcast handelt es sich um I Should be Writing und in der verlinkten Folge werden die Vorzüge von online Medien für den Hobbyschriftsteller von heute diskutiert.

Was wollen die Verlage eigentlich?

Derzeit bremst meine Arbeit, also jene, die meine Rechnung bezahlt, die Buch Geburt etwas aus. Die Arbeit, also jene, die dem Buch zur Geburt verhelfen soll und keine meiner Rechnungen bezahlt, muss also an den Wochenenden erledigt werden. Das Exposé ist fertig, die Leseprobe eigentlich auch so gut wie, obwohl ich immer wieder Dinge finde, die geändert werden sollte. Der nächste Schritt ist das Anschreiben, das den Lektor überzeugen soll das Exposé zu lesen, dessen Aufgabe es wiederum ist, die Leseprobe schmackhaft zu machen.

Der Kern des Anschreibens ist der Pitch: dieser soll in wenigen Sätzen beschreiben worum es in dem Buch geht und warum sich der Verlag dafür interessieren sollte.

Das Ganze ähnelt im Prinzip dem Klappentext, dessen Aufgabe es ist das Buch an den potentiellen Leser zu verkaufen.

Alex Rühle schreibt heute in der SZ über die Art und Weise, in der Verlage ihre Bücher anpreisen und wie sie sich dabei in einen Rausch der Adjektive und Superlative versetzen. Continue reading ‘Was wollen die Verlage eigentlich?’

Das DN Bok

Die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter (DN) hat die Göteborger Buchmesse dazu genutzt, um eine neue literarische online Plattform zu präsentieren. Diese nennt sich DN Bok und ist in die DN Homepage integriert. Das Ganze kann als Buch-Portal betrachtet werden: Hier werden Bücher in rauen Mengen rezensiert, Kulturjournalisten teilen sich auf ihren Blogs mit und prominente Autoren geben Einblick in ihre privaten Bibliotheken. Dazu gibt es Interviews in Schrift und als Video-Stream sowie Artikel, die die neusten Geschehnisse, Trends und Tratsch aus der nationalen und internationalen Buchindustrie zusammenfassen.

Für Lesebegeisterte ist DN Bok eine schöne Spielwiese, die dem Interesse an Büchern viel Auslauf bietet. Die Buchplattform ist allerdings an sich nichts Neues. In Deutschland gibt es den FAZ Lesesaal (der frevelhafterweise einst Read Room genannt wurde) der sich mit Hilfe eines Forums um Interaktivität bemüht. Dennoch kommt mir die Strategie der altehrwürdigen FAZ ein wenig aufgezwungen und noch nicht ganz ausgereift vor. Hier könnte man sich ein wenig mehr Inhalt und Mut zur Integration von beispielsweise Podcasts und Blogs wünschen, um dem Projekt eine persönlichere Note zu verleihen. Diesbezüglich scheint DN die Nase vorn zu haben.

Die Kulturindustrie tut sich nach wie vor schwer, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Auf den beiden lesenswerten Blogs Das Kulturmanagement Blog und Kulturmarketing Blog wird regelmäßig diskutiert, welche Möglichkeiten die Kulturindustrie in punkto Internet und Marketing ausschöpfen könnte und sollte.

Darum freut es mich, dass zumindest Zeitungen wie DN und FAZ dem Buch eine besondere Rolle zuordnen und sich dabei hinaus ins Internet wagen.

Prominentenbücher – Das Goldene Kalb der Buchindustrie

Das Exposé ist eine ziemliche Herausforderung. Wie komprimiert man ein Buch – sein eigenes noch dazu – auf drei Seiten? Welche Passagen sind wichtig, welche müssen ausgelassen, vernachlässigt, verstoßen werden? Gleichzeitig muss für den Lektor geschrieben werden, der letztlich das Urteil über das Schicksal meines Manuskripts fällen wird. Wenn man dann noch die Wahrscheinlichkeit verlegt zu werden mit einbezieht, kommt man schon ins Zweifeln.

Zweifel verursacht auch ein Phänomen, welches seit einigen Jahren in der Buchbranche zu beobachten ist: der Trend zum Prominentenbuch. Hape Kerkeling spaziert und schreibt darüber, Charlotte Roach denkt sich neue Synonyme für diverse Körperöffnungen aus, Dieter Bohlen diktiert einem Ghostwriter unwichtige Details aus seinem Leben, während er auf der Sonnenbank brutzelt und die Leute kaufen die Bücher in rauen Mengen. Nun hat sich laut Süddeutschen auch Bushido – dessen Name ich zwar irgendwo, irgendwann mal gehört habe, seine Musik aber zum Glück noch nicht – in den Kreis der prominenten Schriftsteller gesellt.

Gut, die Menschen kaufen wieder Bücher, und lesen diese auch wahrscheinlich. Das ist auch sehr erfreulich. Allerdings hege ich die Befürchtung, dass Prominente bekannt aus Funk- und Fernsehen uns unbekannten Hobbyschriftstellern die wenigen, hart umkämpften Verlagsverträge streitig machen werden.

Der Grund ist ein ganz einfacher. Prominentenbücher sind recht einfach zu produzieren und verkaufen sich schneller, als ein Banker heutzutage „bankrott“ sagen kann. Das liegt laut Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, an Folgendem:

Nur wer gerade prominent in den Medien vertreten ist, macht Werbung für sein Buch, und zwar in einem Ausmaß, den ein Verlag gar nicht bezahlen kann.

Wer sollte es den Verlagen also verübeln, wenn sie Prominenten gegenüber unbekannten Schriftstellern den Vorzug geben. Ich hoffe aber stark, dass der Trend nicht zur Norm wird.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Buch – coming to a Kopfkino near you soon.

Bisher habe ich mich immer als weitgehend resistent gegen Online Ads erachtet. Bei der heutigen Lektüre eines Artikels über den rapiden Preisanstieg von in Formaldehyd eingelegten Stieren, Schafen und Haien, drängte sich jedoch ein giftgrünes Buchcover von der rechten Seite meines Browsers in mein Blickfeld. Bei genauerer Betrachtung erkannte ich, dass es sich tatsächlich um ein Buch, beziehungsweise um eine Werbung für ein solches handelte. Keine allzu gute, denn Titel und Name des Autors habe ich bereits wieder vergessen.

Dennoch hat mich diese Anzeige fasziniert, denn es handelte sich nicht um einen gewöhnlichen Banner, sonder um einen Trailer. Ein animiertes Filmchen, das die Handlung des Buches erläuterte.

Wie bereits erwähnt, versuche ich online Ads aus meinem online Leben auszublenden. Daher kann es sein, dass dies nichts Besonderes ist. Persönlich sind mir solche Bücher-Trailer jedoch noch nicht untergekommen. Außer jener von Scott Sigler, einem amerikanischen Autor, der seine Bücher bis vor kurzem ohne Verlag, sondern lediglich mit Hilfe des Internets vermarktetet hat.

Hinter dem giftgrünen Buch, dessen Trailer mich heute Morgen beim Lesen störte, steht aber ein etablierter Verlag: Rowohlt. Diese Feststellung hat ein paar Fragen aufgeworfen:

Ist es nun so, dass Schriftsteller ohne Verlage, Marketing und Vertrieb ihrer Bücher selbst in die Hand genommen haben, etablierte Verlage zum Umdenken bewegen?

Sind Trailer zu Büchern wirklich eine gute Idee?

Ist dies nur ein Phänomen des Fantasy-Genres?

Soll ich auf den Zug aufspringen und meinen eigenen Trailer machen? Brat Pitt könnte den Protagonisten mimen.

Hier geht’s zum giftgrünen Trailer.