Archive for the 'Schreiballtag' Category

Zahnlose Tiger und warme iPhones

So, die Kurzgeschichte ist fertig und nun in den Händen meiner persönlichen Lektoren. Heute oder morgen wird sie dann eingetütet und ab dann darf man ihr die Daumen drücken. Ich habe ihr den Titel “Der Sternemacher” gegeben.

Mithilfe meiner Twitterfollower habe ich mir dann auch noch selbst einen neuen Titel bzw. ein Pseudonym zugelegt. Ich hatte aus Scherz (oder war es etwa doch ernst gemeint?) in die Runde gefragt, ob ich nicht damit beginnen sollte Schwedenkrimis zu schreiben, da diese ja in Deutschland weggehen wie warme iPhones. Gleichzeitig hatte ich nach Vorschlägen für ein passendes Pseudonym gebeten. Mein bisheriger Favorit ist Lars Stiegsson.

Vielleicht nehme ich mir tatsächlich im bevorstehenden Urlaub mal einen Schwedenkrimi zur Brust. Danach kann ich ja entscheiden ob, wie und wie viele Morde ich in den Wäldern Schwedens auf dem Papier begehen soll.

Kleine Anekdote am Rande: selbst lese ich Krimis nicht so oft. Aber als ich vor einigen Jahren nach Stockholm gezogen bin habe ich mir ein schwedisches Kinderbuch geschnappt, um die Sprache zu üben. Das Buch war aber äußerst psychedelisch, und ich habe so gut wie nichts verstanden. Es ging um zahnlose Tiger, die in Schrottautos herumgefahren sind. Frustriert gab ich auf. Dann gab mir aber ein Freund den Tipp mich mal an einem Wallander-Buch zu probieren und siehe da, das ging viel besser. Wer also Schwedisch lernen möchte, sollte es mal mit Mankell probieren.

Kurzgeschichten-Boot Camp

Am Wochenende hatte ich mir zu Hause ein Kurzgeschichten-Boot Camp eingerichtet, um mit meinen Beitrag für den Spiegel-Wettbewerb in die Gänge zu kommen. Am Samstag war von Boot allerdings nicht so viel zu spüren. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass sich die Ideensuche etwas zäh gestaltete. DasThema des Wettbewerbs lautet „15 Minuten“ und bezieht sich auf die warholsche Behauptung, dass jeder Mensch in seinem 15 Minuten Ruhm habe.

Schwierig, schwierig, denn mein eigenes Leben bietet diesbezüglich recht wenig

Inspirationsmaterial. Aber einem richtigen Schriftsteller dient das leider nicht als Ausrede. Also mussten die grauen Zellen bemüht werden. Während des Ideenfindungsprozess mutierte das Boot Camp in ein Kaffee und Snack Camp. Mein größtes Problem war, dass ich nicht ein offensichtliches Thema wählen wollte, sprich eine Geschichte, in der jemand unverhofft zu Ruhm gelangt. (Blog-Kollege Daniel hat scheinbar ein ähnliches Problem)

Also habe ich versucht, die Thematik von einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Irgendwann kam dann die zündende Idee, aber da war der erste Tag des Camps auch schon vorbei. (hätte ich diesen Blogeintrag von Thorsten Boose etwas früher gefunden, wäre mir vielleicht schon eher etwas eingefallen.)

Am zweiten Tag spürte ich dann endlich den Boot im Hinterteil, beziehungsweise den Zeitdruck, und das Schreiben ging mir bestens von der Hand. Die Geschichte ist so gut wie fertig, bedarf aber noch einiger Überarbeitung. Über ihren Inhalt werde ich mich aber erst später auslassen, wenn die Anmeldefrist verstrichen ist. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht. ;)

Und wer weiß was noch alles geschehen wird, wenn der Rotstift zum Einsatz kommt.

Mittagspause in den Fußspuren eines Popstars

Ich versuche es noch mal. Ich nehme an einem weiteren Kurzgeschichtenwettbewerb teil. Bevor ich aber verrate, um welchen Wettbewerb es sich handelt, gebe ich noch schnelle eine passende Anekdote zum besten. Heute machte ich mich, wie an jedem Tag, so gegen 12 Uhr auf dem Weg in die Mittagspause. Doch als ich auf die Glastür zuging, um das Gebäude zu verlassen, war etwas anders als sonst. Dort standen nämlich dichtgedrängt ein Dutzend Männer mit mächtigen Kameras im Anschlag. Missmutig gewährten sie mir Platz, um die Tür öffnen zu können. Ich grüsste in die Runde und fragte, ob die Herren schon lange auf mich gewartet hätten. Einer von ihnen machte das Spässchen mit, hielt kurz seine Kamera hoch als wolle er mich tatsächlich fotografieren und erwiderte “15 minutes of fame”.

Was hat dies nun mit dem Wettbewerb zu tun? Nun, dessen Thema ist “15 Minuten” in Anspielung auf Andy Warhols Erkenntnis, nach derangeblich jeder Mensch “15 Minutes of fame” in seinem Leben hat. Von daher habe ich die Begegnung mit den Paparazzi als gutes Omen aufgefasst und fühle mich nun in meinem Vorhaben bestärkt an dem von Spiegel Online und Thalia ausgerichteten Wettbewerb teilzunehmen. Allerdings bin ich mal wieder spät dran. Einsendeschluss ist der 31 Juli.

Und nun zurück zu den Fotografen. Diese waren wie zu erwarten nicht wegen mir dort, sondern wegen Britney Spears. Diese residiert zurzeit nämlich in Stockholm, genauer gesagt im Grand Hotel, das an unser Bürogebäude angrenzt. Theoretisch kann man durch eine Art Notausgang, das Hotel durch unser Gebäude verlassen. Darauf haben die Fotografen und eine Handvoll Teenager zumindest gehofft. Vor dem Hotel sah es sogar noch schlimmer aus. Dort standen hunderte von Menschen – was auf dem Foto nicht wirklich zu erkennen ist – und warteten auf uns Britney. Mich würdigten sie keines Blickes. Meine 15 Sekunden des Ruhms waren bereits verstrichen.

Wer Zeit hat, braucht auch kein Management

Vergangene Woche kam ich in den Genuss eines Workshops zum Thema Zeitmanagement, in dem demonstriert wurde, wie man seinen Arbeitstag effektiv gestalten kann. Die einzige Erkenntnis, die ich aus diesem Seminar habe gewinnen können war, dass ich einfach zu wenig Zeit habe: weder auf der Arbeit noch in meinem Schattendasein als Schriftsteller.

Besonders letzteres schmerzt. Im Moment komme ich einfach zu spät von der Arbeit nach Hause, um abends noch effektiv schreiben zu können. Bleiben also nur noch die Wochenenden. An diesen nehme ich mir oft zu viel vor und die Enttäuschung ist groß, wenn ich nicht genügend zu Papier bringe. Aber an guten Tagen, wie dem gestrigen, kann ich es tatsächlich schaffen ein ganzes Kapitel zu schreiben. Zu dem habe ich mit der Struktur der Kurzgeschichte begonnen. Alles in allem also ein gelungenes Wochenende.

Dennoch stelle ich mir manchmal die Frage, wie es wäre, wenn ich meine ganze Energie auf das Schreiben richten könnte, ganz ungestört von einem festen Job. Würde ich langsamer und bedachter schreiben? Könnte ich gar die Lust am Schreiben verlieren, weil es plötzlich mein Beruf und nicht mehr mein Hobby ist? Ich kann es kaum erwarten, irgendwann die Antworten auf diese Fragen zu bekommen.

Schunkelnd Schreiben

Der Plan klang doch so einfach. Café finden, schreiben und ab und zu einen Kaffee bestellen. An diesem Wochenende hatte ich sogar ein Café, bzw. einen freien Platz in einem solchen gefunden, doch richtiger Schreiberfolg stellte sich leider nicht ein. Erst regte ich mich zu sehr über den Kellner auf, der schlichtweg meine schwedischen Sprachfähigkeiten ignorierte und stattdessen in schlechtem Englisch mit mir sprach. So etwas bringt mich immer wieder auf die Palme, und ich hätte normalerweise den Laden wieder auf direktem Wege verlassen, wenn freie Plätze in Stockholmern Cafés nicht so rar wären.

Ich spülte meinen Groll mit Hilfe einer Tasse Kaffee hinunter und begann mit dem Schreiben. Dies gestaltete sich allerdings auch schwieriger als gedacht. Der wackelige Bistrotisch hatte Mühe das Gewicht meines Laptop sowie der Kaffeetasse zu tragen. Links und rechts verpassten mir meine Nachbarn in regelmäßigen Abständen Stupser mit ihren Ellebogen, dass ich zwischenzeitlich glaubte, sie wollten mich zum Schunkeln animieren.

Nach dreißig Minuten gab ich entnervt auf. Der Ausflug hatte aber auch etwas Gutes: ich sehnte mich danach in der Ruhe meiner Küche zu schreiben, vor der ich ja ursprünglich geflohen war. Ich hatte mit der Webcam meines Laptops versucht ein Foto von der Situation im Café zu machen, allerdings ist außer einem schwarzen Klumpen nicht wirklich viel zu  erkennen.

Die Liste der guten Vorsätze

Wie bereits angekündigt beginnt das Jahr 2009 für mich erst am 1. Februar. Diese kleine, kosmetische Änderung des Kalenders war nötig, da ich aus verschiedenen Gründen den offiziellen – oder sollte ich sagen „mainstream“ –   Start ins neue Jahr verpasst hatte. Heute ist also quasi Sylvester, aber statt mich volllaufen zu lassen und meine Nachbarn um Mitternacht mit Böllern aus dem Bett zu schrecken, beginne ich lieber mit der Umsetzung meiner guten Vorsätze. Ganz oben auf der Liste steht „Beginn neuen Roman“. Das wird auch Zeit, denn Korrekturlesen und Verlagssuche haben die vergangenen Monate dominiert, und aus dem kreativen Schriftsteller (dem die Frauen zu Füssen liegen ; ) ) war eher eine Art Buchhalter geworden. Zwar sollte das Manuskript nochmals überarbeitet werden, aber so lange sich die Verlage nicht melden (klingt ganz so, als ginge ich davon aus, dass sie dies tatsächlich tun werden) hat das noch Zeit. Auch die Suche nach einem Agenten wird in der Liste der guten Vorsätze nach unten verschoben.

Hoffentlich kann ich schon bald mehr zu dem neuen Projekt sagen. Bis dahin: frohes Neues!

Wo kommen eigentlich Bücher her?

Wie ein Buch entsteht: Von der Schreibmaschine in den Buchladen!

Ganz so falsch ist die Darstellung nicht. Vor allem zeigt sie mir auf, dass ich bisher eine ganze Menge falsch gemacht habe ;)

Schreiben zwischen Gemälden

Die Entzugserscheinungen halten sich bisher in Grenzen. Dennoch bin ich froh, nach fast 48 Stunden endlich wieder Internet durch meine Adern fließen zu spüren (dank meiner Freunde, die mir gelegentlich Online-Asyl gewähren).

Derzeit befinde ich mich im Jörns Übergangs-Atelier, in das ich mich in den kommenden Tagen zum Schreiben zurückziehen werde, während Erstgenannter fürs Malen und das Catering zuständig ist ;) . So lässt es sich arbeiten!

Schreiben zwischen Gemälden

Weihnachtsgedicht und -bier

Ich habe in meinem Leben schon tausende Seiten mit filigranen Satzkonstruktionen, schwerwiegenden Gedanken und altklugen Sprüchen gefüllt. Aber heute stoße ich an die Grenzen meiner schriftstellerischen Fähigkeiten. Ich sehe mich nämlich mit der Aufgabe konfrontiert ein Gedicht zu verfassen. An sich ist dies eine lösbare Aufgabe, wäre da nicht ein kleiner Haken: Das Gedicht muss auf Schwedisch verfasst werden. Eine Sprache zu sprechen ist das eine, in dieser zu reimen ein andere.

Das Gedicht wird im Rahmen der morgigen Firmen Weihnachtsfeier vorgetragen und soll der Person, die ein Geschenk von mir erhalten wird, Hinweise auf meine Identität geben.

Ich habe noch 22 Stunden Zeit, diese Aufgabe zu bewältigen und ich werde jede einzelne von ihnen benötigen.

Als Belohnung für meine Mühen gibt es dann morgen Julöl:
Jul = Weihnachten, Öl = Bier

Satte sieben Prozent!!!

Nobel-Horror

Als ich gestern beim Zappen bei der Übertragung des Nobel-Banketts hängen blieb, kam ich nicht umhin Mitleid für die Preisträger zu empfinden. Dort sitzt man nun mehrere Stunden zwischen König und Königin, Prinzessinnen, Prinzen und hochrangigen Politkern und muss Smalltalk betreiben. Gleichzeit liegen vor einem ein halbes Dutzend Messer, Gabeln und Löffel und es bedarf größter Konzentration auch ja das richtige Besteck zu den jeweiligen zehn Gängen zu finden.

Dann ruhen auch noch die Linsen von sicher 20 verschiedenen Kameras sowie die Augen von mehreren Millionen Fernsehzuschauern weltweit auf einem. Gähnen, Nasebohren und andere Macken gilt es also tunlichst zu vermeiden.

Und wie sieht es mit dem Nachgehen natürlicher Bedürfnisse aus? Darf man sich als Preisträger vom Tisch verabschieden, um auf die Toilette zu gehen?

Ich glaube, dass eine Mischung aus Nervosität und Langeweile mich dazu bringen würde, an mein Weinglas krampfhaft festzuhalten und zu viel zu trinken, was wiederum zu einem verstärkten Harndrang führen würde. Dies würde mich dann dazu bewegen, mich so unauffällig wie möglich zum nächstgelegenen WC zu schleichen, wahrscheinlich just zu dem Zeitpunkt an dem ich meine Rede zu halten habe. Eilig würde ich dann das WC verlassen, um Richtung Rednerpult zu rennen. Dabei würde ich mit Sicherheit die Königin anrempeln, woraufhin deren Krone in der Hummersuppe landet. Am Rednerpult angekommen müsste ich dann feststellen, dass a) mein Reißverschluss noch offen ist und ich b) viel zu betrunken bin um meine Rede ohne Lallen halten zu können.

Sollte ich innerhalb der nächsten 40 Jahre also nicht den Nobelpreis für Literatur erhalten, liegt dies mit Sicherheit daran, dass ein Mitglied der Nobelkommission diesen Blogeintrag gelesen hat.

Ach…und wie erwartet habe ich das Wort des Tages ein wenig vernachlässigt.

Middag – Abendessen (das Nobel-Bankett nennt sich im Schwedischen Nobelmiddag)