Archive for the 'Schreibtipps' Category

Der Anfang vom Ende

Aller Anfang ist schwer! So begann einer der ersten Einträge hier auf BuchGeburt. Damit hatte ich mich auf das Schreiben eines Buches bezogen, aber natürlich trifft diese äußerst scharfsinnige Feststellung auch auf das Bloggen zu. Nun, fällt mir aber leider kein altkluges Sprichwort ein, das die Schwierigkeiten nach der überstandenen Anfangsetappe beschreibt.

Aber zurück zum Anfang. Der Anfang eines Buches – idealerweise bereits der erste Satz, auf jeden Fall aber die ersten Seiten, das erste Kapitel – sollte den Leser fesseln, ihm einen Vorgeschmack auf das zu Erwartende geben, ihm nach mehr verlangen lassen. Der Druck, der auf dem Schriftsteller beim Verfassen der ersten Worte lastet ist also enorm. Manche werden mit dem Druck besser fertig, als andere. Man betrachte nur folgendes Beispiel. Selten habe ich eine erste Buchseite gesehen, die versucht so viel Spannung in nur wenigen Sätzen aufzubauen.

Genial?

Grottenschlecht?

Genial schlecht?

Leserbeiträge: Kurzgeschichten des Jahres 2008

Vorige Woche hatte ich mich ein wenig über die Wortliste des Jahres 2008 ausgelassen und dabei denn Vorschlag gemacht, diese Top Ten als Basis für eine Schreibübung zu verwenden. Es hat mich wirklich wahnsinnig gefreut, dass sich meine beiden Schriftstellerkolleginnen Tina (von der Unsichtbaren Bibliothek) und Tiny die Mühe gemacht haben, eine Kurzgeschichte um diese 10 Begriffe herumzukonstruieren. Vielen Dank euch beiden.
Die Kurzgeschichten können hier nachgelesen werden.

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Schreib oder Stirb!

Die Qualen des Korrekturlesens sind fürs Erste vergessen. Endlich habe ich wieder Zeit zu schreiben. Nun gut, Arbeit und vorweihnachtlicher Stress sind als Zeit- und Kreativitätskiller auch nicht zu unterschätzen. Außerdem merke ich, dass mein Konzentrationsvermögen stark nachgelassen hat.  Ich muss mir erst wieder eine Art Schreib-Kondition antrainieren.

Aber zum Glück lässt mich das Internet nie im Stich und hilft mir ein weiteres Mal bei der Bewältigung eines Problems. Dieses Mal in der Gestallt eines webbasierten Programms mit dem leicht einschüchternden Namen Write or Die!

Man navigiere zu folgender Website, tippe in die vorgegebenen Felder die angestrebte Wortzahl sowie die gewünschte Zeit, in der man dies bewältigen möchte, und schon kann mit dem Schreiben begonnen werden. Aber wehe dem, der aufhört zu Tippen, bevor das selbst gesetzte Ziel erreicht ist! Die Konsequenzen können grauenhaft sein. Seht selbst!

Schreiben ist die Norm

Es hat geschneit in Stockholm. In den vergangenen beiden Jahre hatten wir hier recht wenig Schnee, aber vielleicht ändert sich das nun diesen Winter. Die Stadt ist in Weiß getaucht noch schöner und der Schnee hellt die Dunkelheit ein wenig auf.

Aber nun zum Geschäftlichen. Es ist endlich wieder an der Zeit ein paar Tipps abzugeben, damit dem ein oder anderen Hobbyschriftsteller vielleicht ein wenig Zeit beim Durchforsten von Fachliteratur und dem Internet erspart bleibt.

Ein relativ wichtiger Aspekt der Verlagssuche ist, das Aussehen des Manuskripts beziehungsweise der Leseprobe. Das eingesandte Material sollte tunlichst in einem bestimmten Format gehalten sein. Das Format stammt noch aus der guten alten Zeit der Schreibmaschine, aber die gesamte Verlagsbranche schwört nach wie vor darauf.  Die Normseite eines Buchs umfasst nämlich so ziemlich genau 1800 Zeichen (30 Zeilen mit 60 Anschlägen). Dasselbe sollte also auch auf die Seiten des Manuskripts zutreffen. Als Schrifttyp empfiehlt sich Courier New bei einer 12er Schriftgröße.

Zudem sollte jede Seite mit dem Namen des Autors und des Titels in der Kopf- oder Fußzeile vermerkt sein. Die Seitenzahl sollte man natürlich auch nicht vergessen. Zusätzlich würde ich auch noch versuchen die Kontaktdaten – zumindest Telefonnummer oder E-mail – einzubinden.

Speziell der Part mit der Zeichenformatierung ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Zum Glück bietet das Literaturforum eine Dokumentenvorlage als Download an. Nach dem Download muss also nur noch der Text, Name und Titel eingefügt werden und fertig ist das Manuskript.

Normseite

Rettet die Katze

Ich bin echt Meister darin neue Projekte anzufangen, besonders wenn ich dabei meiner Kreativität freien Lauf kann (hätte ich auch nur einen Funken naturwissenschaftlicher Begabung, würde ich wahrscheinlich auch versuchen Dinosaurier oder ähnliches zu klonen). Leider muss man sich also aus Zeitgründen etwas zügeln.

2009 würde ich aber trotzdem gerne ein Drehbuch in Angriff nehmen. Dies erscheint mir als eine willkommen Abwechslung von meinen derzeitigen Schreibprojekten.

Wer wie ich nach Tipps zum Verfassen eines Drehbuchs sowie zu einem guten Zeitmanagement fürs kreative Schaffen sucht, sollte sich mal das Interview anschauen, das Drehbuchautor Wolfgang Kirchner ARD Online gegeben hat.

Bezüglich des Zeitmanagements sagt er, dass man sich fünf Mal die Woche eine Stunde für das Schreiben reservieren soll. In der Stunde wird nur geschrieben und sonst nichts. Das ist jetzt nicht wirklich neu für mich. Ich versuche einen ziemlich großen Teil meiner Freizeit fürs Schreiben zu reservieren. Allerdings sollte ich mir vielleicht wirklich bescheidenere Ziele setzen, statt mir großmäulig vorzunehmen, das gesamte Wochenende durchzuschreiben.

Bezüglich des Drehbuchschreibens empfiehlt Kirchner ein 15-Punkte-Programm, das bei der Strukturierung des Plots helfen soll. Ich habe das Programm selbst noch nicht durchexerziert, aber es sollte auch bei der Strukturbildung eines Romans anwendbar sein. Das 15-Punkte-Sytstem, auch “Save the Cat” genannt, kann man sich hier anschauen.

Dank an Jörn, der mich auf das Interview hingewiesen hatte.

Quelle: ARD Online

Der Tod eines Schreibgefährten

Mein treuer Begleiter, mein Arbeitswerkzeug, mein geliebtes iBook ist von uns gegangen. Sein Dahinscheiden war nicht unerwartet, kam aber plötzlich. Viele Stunden und Nächte habe ich mit ihm gemeinsam über Texten gegrübelt, Geschichten ersonnen, Charaktere erzeugt und wieder sterben lassen. 

Tja, und als dann das iBook selbst starb, hatte ich schon seit längerem nicht mehr Sicherheitskopien  unserer gemeinsamen Arbeit gemacht, was den Verlust nicht direkt erleichterte. 

Daher habe ich mich mal ein wenig nach Hilfsmitteln umgeschaut, die das Anfertigen von Sicherheitskopien erleichtert: 

Alle drei Tools bieten Gratis-Lösungen an, mit denen man zwischen 2-50 Gigabyte Speicherkapazität zu Verfügung gestellt bekommt. Wichtig für mich ist, dass ein oder mehrere Male am Tag eine Sicherheitskopie meiner wichtigsten Dokumente auf einen Server geladen werden. Derzeit Teste ich Mozy, werde mir die anderen Möglichkeiten aber auch noch näher anschauen.

Seitenvergleich

Neulich erfuhr ich, dass eine Bekannte von mir ebenfalls im Stillen einen Roman verfasst hat. Stolz erzählte sie mir, dass ihr Buch nahezu 500 Seiten umfasst. Meines kommt ungefähr auf die Hälft.

[Die tatsächliche Anzahl der Buchseiten errechnet sich, indem man die Anzahl der Zeichen inklusive Leerzeichen durch 1800 teilt.]

Irgendwie hatte ich das Gefühl, eine verteidigende Erklärung dazu abzugeben und wollte darauf hinweisen, dass mein Protagonist meist mit sich selbst beschäftigt ist und daher relativ wenige Dialoge vorkommen, die ja bekanntlich hervorragendes Seitenfüllwerk abgeben.

Da viel mir  aber  das Buch „Der kleine Bruder“ von Sven Regener ein,  das ich vor kurzem gelesen habe. Regener kann mühelos eine Seite mit einem einzigen Gedankenstrang seines Protagonisten Frank füllen und packt das Ganze oft auch noch in nur einen einzigen Satz.

„Er trug einen Anzug seines Bruders und einen dazu passenden Mantel, aber beides taugte nicht viel gegen die bittere Kälte, und er fragte sich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, seine eigenen, schon müffelnden und stellenweise auch dreckigen Sachen noch einmal anzuziehen, statt sich bei seinem Bruder etwas auszuleihen, das wäre vielleicht klüger gewesen, dachte er, so holt man sich ja den Tod, und bevor man ihn sich holt, dachte er, redet man schon in Gedanken wie seine eigene Mutter, das macht es erst richtig übel, dachte er, sich den Tod holen, wenn man in solchen Redensarten denkt, dachte er, dann steht es schon schlimm, das liegt nur an den Kälte, dachte er, die macht träge und stumpf im Kopf, und was macht es schon, wenn die Klamotten müffeln, die ganze Stadt müffelt doch mit ihrem Smog und ihrer Hundescheiße, dachte er, denn die Straßen waren voller Herbstlaub, und darunter verbarg sich die Hundescheiße und lauerte auf naiv und unbekümmerte ausschreitende Neulinge wie ihn, das hatte er gerade eben, in der Schönleinstraße, auf die harte Tour lernen müssen.“ *

Der Stil entspricht zwar nicht dem meines Buches, war aber Grund genug meine verteidigende Aussage runterzuschlucken und meiner Bekannten (und mir selbst) zum Umfang ihres Romans zu gratulieren.

*Sven Regener, Der kleine Bruder, Eichborn, Berlin

Schreibexperiment Teil 1

Für jemanden der behauptet, er möge keine Schreibübungen, beschäftige ich mich derzeit recht viel mit diesem Thema. Diese Mal bin ich einer Aufforderung Jackies, die sich ein Schreibexperiment ausgedacht hat, spontan gefolgt. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:

Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema, das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?

Diese Fragestellung hat mich gereizt. Heute gibt es also den ersten Text. Ob dieser ein Thema beschreibt, das mich interessiert, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten: Continue reading ‘Schreibexperiment Teil 1′

Die Surrealisten und der Blog

Das brillante Upload Magazin hat diese Woche zur Themenwoche Frankreich – Blogging à la française erkoren. Dies hat mich dazu bewegt, einer gewagten Frage nachzugehen: Gibt es Einflüsse aus der französischen Literatur, die den Schreibstil des gemeinen Bloggers geprägt haben?

Frankreich mag nicht direkt als Land erscheinen, dem eine Vorreiterrolle in Sachen Internet zugesprochen werden sollte, aber ich glaube, dass es bei der Entwicklung der Blogkultur durchaus eine bedeutende Rolle gespielt hat. Und das ganze sogar vor rund 90 Jahren. Zu dieser Zeit formierte sich nämlich in Frankreichs Literaturszene eine Bewegung, die die Écriture automatique propagierte. Dieses Automatische Schreiben wird als Methode definiert, bei der

Bilder, Gefühle und Ausdrücke durch Introspektion in die Psyche unreflektiert wiedergegeben werden. Es dürfen sowohl Sätze, Satzstücke, Wortketten, als auch einzelne Wörter geschrieben und auch Fehler gemacht werden und es muss nicht auf die Regeln der Orthografie, Grammatik oder Interpunktion Rücksicht genommen werden.

Ich bin der Meinung, dass dies ziemlich präzise die Methode beschreibt, die von einer Vielzahl Blogger benutzt wird (IM, Twitter etc. sind wahrscheinlich sogar noch bessere Beispiele).

Man hat gerade etwas Lustiges erlebt, schmeißt den Computer an, tippelditipp, Emicon eingefügt und weg damit. Wenn meine These also stimmt, dann sind die Väter der Blogkultur eine Gruppe Absinthtrinkender Surrealisten.

Ich habe das Ganze mal mit Hilfe André Bretons Anweisungen aus dem „Ersten Surrealistischen Manifest“ durchexerziert:

Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen…

Laptop bitte!

…nachdem Sie es sich irgendwo bequem gemacht haben, wo Sie Ihren Geist soweit wie möglich auf sich selbst konzentrieren können.

Mh? Bett? Ja, probieren wir mal das Bett.

Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind.

Kein Problem!

Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen.

Bei meiner Genialität wird das aber ganz schön schwer. Aber ich versuchs mal.

Machen Sie sich klar, daß die Schriftstellerei einer der kläglichsten Wege ist, die zu allem und jedem führen.

I hear ya!

Schreiben Sie schnell, ohne vorgefaßtes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen.
….
Der erste Satz wird ganz von allein kommen…
……
Der erste Satz wird ganz von allein kommen…
……
DER ERSTE SATZ WIRD GANZ VON ALLEIN KOMMEN!!!

Ja ja, schon gut. Habe einen: „Der Pinguin schmiert Nutella auf sein Fahrrad.“

….denn es stimmt wirklich, daß in jedem Augenblick in unserem Bewußtsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden.

„Daß“ schreibt man heutzutage übrigens mit „ss“. „Bewusstsein“ auch.

Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben.

Kein Problem, wird gemacht.

Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens. Wenn ein Verstummen sich einzustellen droht, weil Sie auch nur den kleinsten Fehler gemacht haben: einen Fehler, könnte man sagen, der darin besteht, daß Sie es an Unaufmerksamkeit haben fehlen lassen – brechen Sie ohne Zögern bei einer zu einleuchtenden Zeile ab.

Ooookay…Raunen? Verstehe!

Setzen Sie hinter das Wort, das Ihnen suspekt erscheint, irgendeinen Buchstaben, den Buchstaben l zum Beispiel, immer den Buchstaben l, und stellen Sie die Willkür dadurch wieder her, daß Sie diesen Buchstaben zum Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes bestimmen.“

Dass Limonenscheibchen.

Fin!

Jetzt fühlen sich sicherlich einige hard-working Blogger vor den Kopf gestoßen, ob meiner Behauptung, dass sie planlos Texte verfassten. Dennoch finde ich, dass sich sicherlich ein jeder ein wenig mit der Écriture automatique identifizieren kann. Wenn nicht, auch nicht schlimm.

Jetzt schon basteln Sprach- und Kommunikationswissenschaftler an ersten Thesen über die Verwendung von Sprache im Web. Vielleicht sollten sie aber mal kurz einen Blick über die Schulter, Richtung 1920er in Frankreich werfen.

Und täglich grüßt das Murmeltier…mit einer Schreibübung

Wie ich bereits erwähnte, bin ich kein Freund von Schreibübungen, obwohl ich fest davon überzeugt bin, dass sie enorm hilfreich sind. Aber es gibt einen Silberstreifen am Horizont. Vielleicht kann mich das Schreibexperiment, das gerade auf Rauhfasler in vollem Gange ist, zu regelmäßigen schriftstellerischen Fingerübungen animieren.

Das ganze sieht folgendermaßen aus:
Man bestimmt eine beliebige Ausgangsituation und beschreibt diese in einem kurzen Text. Dieser wird wieder und wieder umgeschrieben. Die Situation bleibt bestehen, verändert sich nicht. Die Erzählperspektive und der Stil dürfen, sollen, müssen jedoch nach Belieben verändert werden.

Sollte ich mich tatsächlich zum Mitmachen animiert fühlen, bräuchte ich einen neuen Notizblock. Zum Glück habe ich heute den Richtigen auf Read it gefunden:

Das Reclam Notizbuch!
Wie viele dieser kleinen, gelben Heftchen hat man während seiner Schulzeit in den Händen gehalten? Und wer hätte jemals zu träumen gewagt, dass eines Tages die eigenen Worte zwischen den dünnen, gelben Pappdeckeln zu finden seien würden. Mama wird platzen vor Stolz.