In der Taz erschien am Montag ein Artikel von Julia Niemann über „Das Zögern der Buchbranche“. Der Artikel spricht mir in vielen Punkten aus der Seele, da er die Trägheit der Buchbranche kritisiert. Dies mache ich ja auch gerne, wenn ich mal wieder nichts Besseres zu tun habe.
Auch wenn der zu Rate gezogene Blogger Markus Beckedahl mit der Behauptung erwähnt wird, ein Vergleich zur Musikindustrie, die das digitale Zeitalter mehr als verpennt hat, sei nicht zu ziehen, bemerkt der Artikel doch folgerichtig, dass die Buchbranche zumindest sehr gut darin ist in dieselben Fettnäpfchen wie ihre Kollegen zu treten. Dies bezieht sich hauptsächlich auf den Umgang mit dem Kunden beziehungsweise auf verzweifelte Maßnahmen, um diesen „zu entmündigen“. Des Weiteren wird über DRM, ebooks und der Mangel an innovativen Verkaufsmodellen eingegangen.
Die Buchbranche muss also schnell in die Gänge kommen, um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein. Was der Artikel, wie auch die meisten anderen seiner Art, die während der Frankfurter Buchmesse geschrieben wurden, leider nicht aufgreift, sind die Aktivitäten der Zulieferer der Buchbranche, die Autoren selber. Das Netz ist voll von Hobbyschriftstellern – aber auch etablierten Autoren – die nach neuen Wegen suchen ihre Werke in Eigenregie, also ganz ohne Zwischenhändler, an den Mann zu bringen. Via Blogs, Podiobooks PoD, online Buchplattformen usw. werden eigenständig Leserschaften erschlossen.
Diese Kanäle sind zwar noch lange keine ernsthafte Gefahr für die Branche, aber früher oder später könnten sie dies werden. Erste Erfolgsbeispiele gibt es bereits. Scott Sigler hat es beispielsweise mit seinen Podiobooks bis auf die Bestsellerliste der NY Times geschafft. Dort bin ich zwar noch nicht angelangt, aber auch in den Maschinenräumen der Buchgeburt wird auf Hochdruck daran gearbeitet, Lesbares mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen.
Letztendlich glaube ich, dass die deutsche Buchbranche uns 2.0 Autoren (ein noch schlechterer Begriff ist mir leider auf die Schnelle nicht eingefallen) noch gar nicht auf dem Radar hat. Sollte sie aber.
Schöne Neue Welt steht ganz oben auf der (recht kurzen) Liste meiner Lieblings-Dystopie-Bücher. Aldous Huxley war ein grandioser Visionär – auch wenn er geplant hatte das Grundwasser von San Fransisco mit LSD zu versetzen* – der es geschafft hat seine düsteren Vorraussagen in eine spannende Geschichte zu verpacken. Speziell die Mittel, die der totalitäre Staat benutzte, um das Folk bei Laune zu halten, sind äußerst interessant beschrieben. Z.B. das Gefühlskino, das alle Sinne des Betrachters stimuliert oder die Gesellschaftsdroge Soma, die der Bevölkerung alle Sorgen und Ängste aus dem Kopf fegt.
Nun kann man sich dies alles auch noch mal vom Großmeister selbst vorlesen lassen. 1958 hat Huxley seinen Roman für CBS Radio gelesen. Die Aufnahme kann hier (Teil 1, Teil 2) runtergeladen werden.
* Das hatte ich zumindest mal in einer Dokumentation gehört, kann aber keine Quellen finden, die meine Behauptung stützen. Vielleicht war ich auf Soma als ich die Doku sah.
Rico Beutlich, der von mir im Vorbeigehen zum Schutzheiligen aller Hobbyschriftsteller ernannt wurde, hat die Gebete seiner Fans erhört und ein weiteres Video online gestellt, in dem er aus seinem Meisterwerk “Kevin-Lukas wird Chef” vorliest.
Dieses Jahr ist Frankfurter Buchmesse in dieser bescheidenen Ecke des Internets bisher noch unerwähnt geblieben. Eigentlich hatte ich auch nicht eingeplant ihr viel Beachtung zu schenken, aber ich bin über eine Doku gestolpert, die mein Interesse für den Literaturzirkus geweckt hat. Der SWR wird am Donnerstag um 23.00 Uhr die Reportage “Wie wird man Bestseller – Der Buchmarkt, die Messe und die Jagd” ausstrahlen. Kein Wunder, dass dieser Titel direkt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Bisher ist nur ein 5-minütiger Trailer online zu begutachten, aber allein der Einblick in Amazon Deutschlands Herzstück, dem Bücherlogistik-Zenter mit mehr als einer Million Titel, lässt das Herz eines Bücherfreaks und Geeks höher schlagen.
Hoffentlich wird auch die volle Reportage online gestellt, damit sie sich fernsehlose Hobbyschriftsteller in Schweden auch anschauen können.
Zur Frankfurter Buchmesse hat sich übrigens auch Lilly Berry ein paar Gedanken gemacht.
Und nun mal wieder ein paar Gedanken zum E-Buch. Selbst besitze ich keines und in meinem Bekanntenkreis habe ich bisher nur ein einziges E-Buch geortet. Doch obwohl das elektronische Buch in Europa so selten anzutreffen ist, dass man nicht einmal von einem Schattendasein sprechen kann, ohne kräftig zu übertreiben, wird ihm eine strahlende Zukunft prognostiziert.
Laut der FAZ gehen Vertreter der deutschen Buchbranche davon aus, dass das E-Bock 2018 das gedruckte Buch beim Umsatz überholen wird. Zwar glaube auch ich, dass das elektronische Buch eine ähnlich steile Karriere hinlegen wird, wie seinerzeit der iPod, aber dennoch halte ich diese Prognose für sehr optimistisch. Da werden die Early-Adopters bis dahin eine Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen. Hat man in dieser Prognose denn auch illegale Downloads mit einkalkuliert? In neun Jahren wissen wir mehr.
Wie bereits 2008 werde ich heute wieder die schwedischen Medien beäugen, um in Rekordzeit den Namen des Gewinners des Literaturnobelpreises zu posten. Ich bringe mich dann mal in Position.
Bis später!
Und schon wieder war der Kerl von der Buchgeburt spurlos verschwunden. Was war passiert. Es dauerte nicht lange, bis die Gerüchteküche der Blogosphäre überkochte. Hier sind einige der Gerüchte, deren Wahrheitsgehalt von Kennern der Buchgeburt heiß diskutiert werden:
Mart hat von Amazon 150 000 Dollar Schadensersatz erhalten, weil das Unternehmen ein Buch von seinem Kindle gelöscht hat und er deshalb seine Hausaufgaben nicht erledigen konnte. Daraufhin hat er sich das Geld geschnappt und sich auf einer Südseeinsel zur Ruhe gesetzt. (Kritiker dieser Theorie bezweifeln, dass Mart einen Kindle besitzt.)
Der Buchgeburtler soll einem Bekannten zufolge einen Buchvertrag erhalten haben. Der Quelle zufolge soll er auf diese Neuigkeit folgendermaßen reagiert haben: „Muhaha, endlich muss ich mich nicht mehr um den sch#%ss Blog kümmern. Ich fahre jetzt nach Disneyland und fahre Achterbahn bis mir schlecht wird.“
Ein Fotograf will die Identität des Bloggers enttarnt haben. Besagtem Fotograf soll es gelungen sein Mart schlafend während der Frankfurter Buchmesse abzulichten. Das Foto wurde in der FAZ mit der Überschrift „Absacker“ gedruckt. Mart soll sich darauf aus Scham aus der Öffentlichkeit zurückgezogen haben.
Andere Kenner der Szene wollen gehört haben, dass der Hobbyschriftsteller seit geraumer Zeit als Obdachloser durch die Parks Stockholms zieht. Einem Augenzeuge zufolge sei er in „einem erbärmlichen Zustand“ und stinke „wie ein Bär“. Es ist unklar ob Mart tatsächlich durch die Maschen des Sozialstaats gefallen ist, oder inkognito auf der Strasse lebt, um für seinen neuen Roman zu recherchieren.
Hoffentlich wird sich bald zeigen, was an den Gerüchten dran ist.
Interessante Aktion der 42er Autoren, eine Autorenvereinigung zur Förderung der Literatur. Drei Mitglieder der Vereinigung wollten nämlich einigen Buchverlagen in puncto Seriosität auf den Zahn fühlen. Zu diesem Zweck haben sie einen fiktiven Nachwuchsautor – Rico Beutlich, Krankenpfleger aus Dresden – erfunden. Als nächstes wurde Ricos erstes Buchmanuskript verfasst. Das Werk umfasst stolze 824 Seiten, allerdings sind 814 davon dem Internet “entliehen” und ledig die ersten 10 Seiten stammen aus der fiktiven Feder Ricos. Auf diesen sind solch wunderbare Sätze wie “”Kevin-Lukas wachte auf. Und er kuckte aus dem Fenster und was er da sah war auch nicht gut, alles voll Regen. Große Tropfen, kleine Tropfen und dazu sehr viele mittelgroße Tropfen sind auch da”.”
Das Manuskript wurde an sechs Verlage geschickt und siehe da, fünf davon fanden Ricos Werk “bemerkenswert” und wollten es tatsächlich veröffentlichen. Damit sie das Buch zu einem nationalen und internationalen Besteller machen können, benötigten sie erst einmal einen Zuschuss von Rico. Aber was ist schon ein wenig Geld, wenn man einen Auftritt im Literaturfernsehen in Aussicht gestellt bekommt.
In Rico haben die Hobbyschriftsteller des Landes einen Helden gefunden, der die Praktiken von Dienstleistungsverlagen offenlegt und sie hoffentlich auch noch vor weiteren Gefahren auf dem Weg zur Buchveröffentlichung beschützen wird.
Hier liest Rico, der Schutzheilige der Hobbyschriftsteller, aus seinem Werk vor. Bitte anschauen!
Zum Schreiben bin ich im Urlaub noch nicht so richtig gekommen, aber wenigstens hat es mit dem Lesen bisher wunderbar geklappt. Eben habe ich die letzten Seiten von Neil Gaimans „Graveyard Book“ in der prallen Sonne gelesen. Wie all die anderen Werke Gaimans, sei es Comics, Romane oder was er sonst noch so macht, äußerst kreativ und phantasievoll, aber auch nicht sein bestes.
Die sehr niedliche Entstehungsgeschichte des Buches beschreibt passend worum es in diesem geht: Vor zwei Jahrzehnten beobachtete der junge Gaiman wie sein Sohn zwischen den Grabsteinen des benachbarten Friedhofs herumtollte und plötzlich war eine Buchidee geboren. Er fühlte sich bei dem Anblick an Das Dschungelbuch erinnert, befand dass es interessant sein könnte den Dschungel mit einem Friedhof und die Dschungelbewohner mit Geistern auszutauschen.
Neben dieser Anekdote gibt Gaiman im Nachwort auch einen Einblick in den Schreibprozess, was ich als Buchhebamme immer wieder sehr spannend finde. Der gute Neil hat nämlich mit dem dritten Kapitel begonnen. Ob dieses Kapitel ursprünglich als Anfang gedacht war verrät er nicht. Persönlich schreibe ich aber eher linear, ohne Sprünge nach vorne oder hinten im Text.
Ich merke gerade, dass ich eine Nische in der Literaturrezension gefunden habe. Statt das eigentliche Buch zu besprechen, rezensiere ich das Nachwort.