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	<title>Buch Geburt &#187; Schreibexperiment</title>
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	<description>Ein in Schweden lebender Hobbyschriftsteller über seine Erfahrung beim Schreiben.</description>
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		<title>Schreibexperiment Teil 2</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Sep 2008 09:25:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mart</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibexperiment]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Ausflug in die Welt des Strickens gibt es heute Teil zwei des Schreibexperiments.
Kurz zur Erinnerung. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:
Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Ausflug in die <a href="http://buchgeburt.de/2008/09/18/schreibexperiment-teil-1/">Welt des Strickens</a> gibt es heute Teil zwei des Schreibexperiments.</p>
<p>Kurz zur Erinnerung. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:</p>
<p>Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?<br />
<span id="more-156"></span><br />
Ich folge ihnen auf Schritt und Tritt, bin immer ganz dicht an ihnen dran, schaue ihnen über die Schulter, denn das ist mein Job. Es ist kein einfacher Beruf, aber ich will es nicht anders haben. Sie wissen nicht, dass ich existiere. Das dürfen sie auch gar nicht. Dies ist die einzige Regel in unserer Beziehung. Ich bin für sie unsichtbar, bin immer verborgen, aber dennoch ständig in ihrer Nähe.</p>
<p>Ich vermisse keine einzige Sekunde ihres Tages, sitze des Nachts an ihren Betten, wache über ihren Träumne, inspiziere am Morgen ihre Garderobe, die allmorgendliche Routine im Badezimmer, sitze mit ihnen am Frühstückstisch, begleite sie zur Arbeit, wo ich mit ihnen geduldig auf den Feierabend warte um ihnen daraufhin nach Hause zu folgen, zu Abend zu essen und die verbleibenden Stunden des Tages gemeinsam zu verbringen. Dann wache ich wieder an ihren Betten.</p>
<p>Ich bin da wenn sie lieben, streiten oder gar hassen, lachen oder weinen, denn ich bin der Grund für ihre Gefühlsausbrüche. Aber gemäß der einzigen Regel, die unsere Beziehung konstituiert, sind sie sich dessen nicht bewusst. Dennoch fühle ich, was sie fühlen und oft nehme ich ihre Emotionen stärker war, als sie selbst. Jede von ihnen verflossene Träne ist ein Stich ins Herz.</p>
<p>Leider kann ich nicht so viel Zeit mit ihnen Verbringen, wie ich es mir manchmal wünschte. Wenn ich anderen Verpflichtung nachgehen muss, oder einfach nur mal eine Pause von meiner Arbeit benötige, da diese, obwohl sie mir viel Freude bereitet, bisweilen ermüdend sein kann, dann gefriert ihr Alltag. Hin und wieder verlasse ich dann meinen Aussichtspunkt, gehe in die Küche und stärke mich mit einer kleinen Mahlzeit oder einer Tasse Kaffee.</p>
<p>Danach kehre ich zurück zu meinem Posten. Ich lege die Finger auf die weißen Tasten vor mir auf dem Tisch, schließe kurz die Augen und beginne wieder zu sehen, zu hören, zu fühlen was sie wahrnehmen. Die Eisschicht, die sich in meiner Abwesenheit über meine Schützlinge gelegt hatte, zerbricht unter den Tastenschlägen, die nun die Bahnen ebnen, auf denen der Rest ihres Tages verlaufen wird.</p>
<p>Ich flüstere Anweisungen in ihre Ohren, aber sie nehmen weder meine Worte, noch das Klacken der Tastatur war. Dennoch befolgen sie diese ohne Widerspruch. Ich nehme sie an die Hand und lenke sie auf den Weg, den sie zu folgen haben, damit alles so verläuft, wie ich es zuvor bestimmt hatte. Sie können den sanften Druck meiner auf den Tasten ruhenden Finger nicht auf ihrer Hand spüren. Dennoch schlagen sie den Weg ein, den ich für sie vorgesehen habe.</p>
<p>Ich verbringe meine Zeit gerne mit ihnen und verspüre große Freude, wenn ich sie dabei beobachte, wie sie ihr Leben leben. Obwohl ich eigentlich jeden ihrer Schritte kenne, noch bevor sie ihn ausführen können, schaffen sie es dennoch, mich immer wieder zu überraschen.</p>
<p>Aber eines Tages wird mein Auftrag beendet sein. Meine Finger besiegeln das letzte Kapitel ihres Lebens und verlassen die Tastatur. Obwohl ich dann Stolz über das von ihnen Erreichte verspüre, bin ich dennoch traurig. Unsere gemeinsame Zeit ist beendet. Sie werden zwar auf ewig zwischen den Zeilen und den Buchdeckeln weiterleben, aber dazu brauchen sie mich nicht mehr. Meine Arbeit ist getan.</p>
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		<title>Schreibexperiment Teil 1</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Sep 2008 13:03:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mart</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nadeln]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibexperiment]]></category>
		<category><![CDATA[Urban Knitting]]></category>

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		<description><![CDATA[Für jemanden der behauptet, er möge keine Schreibübungen, beschäftige ich mich derzeit recht viel mit diesem Thema. Diese Mal bin ich einer Aufforderung Jackies, die sich ein Schreibexperiment ausgedacht hat, spontan gefolgt. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:
Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema, das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für jemanden der behauptet, er möge keine Schreibübungen, beschäftige ich mich derzeit recht viel mit diesem Thema. Diese Mal bin ich einer Aufforderung <a href="http://www.schriftsteller-werden.de/motivation-und-organisation/die-regeln-brechen-schreib-fuer-dich-selbst/">Jackies</a>, die sich ein Schreibexperiment ausgedacht hat, spontan gefolgt. Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:</p>
<p>Schreibe zwei Kurzgeschichten à 500 Wörter; je eine Geschichte zu einem Thema, das dich interessiert beziehungsweise nicht interessiert. Welcher Text geht dir besser von der Hand? Kann man zwischen den Zeilen erkennen, welches Thema dir eher am Herzen liegt?</p>
<p>Diese Fragestellung hat mich gereizt. Heute gibt es also den ersten Text. Ob dieser ein Thema beschreibt, das mich interessiert, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten: <span id="more-136"></span></p>
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<p><!--[if gte mso 10]><br />
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<p><!--[endif]--></p>
<p class="MsoNormal"><em><strong><span lang="DE">Die Nadeln</span></strong></em></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Es waren die Zigaretten, die sie dazu bewegt hatten den Nadeln eine Chance zu geben. Es war bereits das zweite Mal, dass sie sich Abhilfe von den spitzen, silbernen Objekten erhofft hatte. Doch der erste Versuch war ohne Erfolg geblieben. Die kleinen Nadeln, die sie sich einige Millimeter tief unter ihre Haut hatte stechen lassen, sollten Nervenbahnen stimulieren und somit ihr Verlangen nach Nikotin abschalten. Das Verlangen blieb aber ungebrochen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Einige Monate vergingen, in denen sie weiterhin mehrer Zigaretten täglich an ihren Mund führte, anzündete und ihren Rauch tief in ihre Lungen eindringen ließ. Eines Tages, sie saß gerade in der Straßenbahn und betrachtete ihre rechte Hand, auf der sie voller Missmut, die dezente, gelbliche Verfärbung auf Daumen und Zeigefinger entdeckte, überhörte sie ein Gespräch, das sich um das Thema Zigaretten, der Grund für die hässlichen Flecken auf ihren Fingern, drehte. In dem Gespräch pries ein Mann, dessen Gesicht sie nicht zu sehen bekam, da er hinter ihr saß, seinem Bekannten Stricken als Heilmittel gegen das Rauchen an. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Männer, die ihre Nikotinsucht mit dem Stricken von Pullovern besiegen? Das klingt zumindest nicht ganz so absurd wie Menschen, die sich zu Nadelkissen umfunktionieren lassen, dachte sie. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">So kam es, dass sie sich noch auf dem Nachhauseweg das nötige Werkzeug besorgte und eine Stunde später mit zwei langen Stricknadeln, statt der üblichen Zigarette in der Hand, auf ihrer Couch saß. Die erste Stunde war die Hölle. Die Technik wollte ihr einfach nicht gelingen. Ungelenk manövrierte sie die Nadeln über die dicke Wollschnur und durch die unförmigen Maschen. Ihr Puls stieg, während ihre Stimmung immer schlechter wurde. In ihrem Kopf hallte das hämische Lachen der Männer aus der Straßenbahn, die in ihrer Phantasie mit langen Stricknadeln auf sie zeigten und sie laut verhöhnten. Diese Vorstellung half ihr durchzuhalten und das Strickzeug nicht in die Mülltonne zu schmeißen. Sie wurde wütend und begann sich so sehr in Rage zu stricken, dass sie vergaß, ihrer Nikotinsucht nachzukommen. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Langsam kamen die ersten Erfolgserlebnisse. Die Maschen wurden sauberer und die Nadeln begannen sich in einem fließenden Rhythmus zu bewegen. Ein Gefühl der Zufriedenheit machte sich in ihr breit. Nach mehreren Stunden, in denen sie unablässig gestrickt hatte, war ihr erstes Werk fertig: Ein viel zu großer, dunkelblauer Topflappen. Dieser war außerordentlich hässlich und für die, für ihn vorgesehene Tätigkeit wahrlich nicht zu gebrauchen. Aber für sie war er ein Zeichen des Triumphs. Ein Triumph über sich selbst, über ihre Sucht und nicht zuletzt auch über imaginäre, lachende Männer. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Seither strickt sie täglich. Sobald sich das Verlangen nach einer Zigarette ankündigt, zieht sie die Stricknadeln hervor, die sie immer in ihrer Handtasche mit sich führt. Sie strickt wo sie geht und steht. Zuhause, in der Straßenbahn, auf dem Weg zur Straßenbahn, im Büro,<span> </span>im Bett, in der Badewanne, im Kino. Kaum ein Ort, an dem sie noch nicht gestrickt hat. Mittlerweile ist sie wirklich gut in der Ausführung dieses traditionellen Handwerks geworden. Sie hat bereits all ihre Verwandte und Freunde mit Pullovern, Socken, Schals und Mützen versorgt. Daher hat sie ihr Tätigkeitsfeld nun auf das <em>urban knitting</em> ausgeweitet. Des Nachts zieht sie los, um die Stadt mit ihren Strickwaren zu verschönen: Laternenpfahle erhalten bunte Schals, die Sitzschalen von Bushaltestellen werden mit dicken Wollkissen versehen und die harten Lehnen von Parkbänken erhalten weiche Polsterungen für die geschundenen Rücken ihrer Gäste. Ihr Werk wird täglich von tausenden Menschen bewundert. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Stricken hat ihr Leben verändert. Keine Zigaretten mehr. Die Flecken auf der Hand sind verschwunden.</span></p>
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